Der ELAK kennt keine Grenzen
Das elektronische Akten- und Dokumenten-Management der Verwaltung wird vom BRZ und seinen Kunden laufend optimiert. Internationaler Know-how-Austausch macht die betriebliche Weiterentwicklung kosteneffizient.
02. Juni 2026
Die kaufmännische Geschäftsführerin des BRZ, Mag.a Christine Sumper-Billinger im Interview über IT zur Effizienzsteigerung, die Vorteile von Diversität sowie KI im Arbeitsalltag.
Als IT-Dienstleister der Bundesverwaltung sind wir permanent mit technologischen Veränderungen konfrontiert. Es ist unser Anspruch, unsere Kunden hier entsprechend zu unterstützen, aktuell vor allem beim Thema KI. KI hat das Potenzial, in der Verwaltung Effizienzen zu heben und Einsparungen zu generieren. Im BRZ beschäftigen wir uns schon lange mit dem Thema KI und haben bereits entsprechende Use Cases für unsere Kunden, wie etwa einen KI-Assistenten für das Personalmanagement im Bund, umgesetzt.
Europa ist schon ein Weltmeister in Sachen Regulierungen. Das ist oft wichtig, manchmal ist es aber hemmend. Wenn man jetzt auf Technologien wie KI schaut, dann hat man hier schon auch eine entsprechende Verantwortung, nämlich die Verantwortung für die Sicherheit der Daten. Da bedarf es durchaus klarer Regeln, die unseren Ansprüchen hinsichtlich Datenschutz und Sicherheit genügen. Wir sollten aber auch gewisse Freiheiten zulassen, denn wir müssen ein Umfeld schaffen, in dem es auch für Entwickler:innen und für innovative Geister attraktiv ist, in Europa zu bleiben.
Im BRZ setzen wir sowohl beim Programmieren als auch beim Testing auf KI. Allerdings muss sich niemand sorgen, dass ihr oder sein Job in diesem Bereich obsolet wird. Wenn die KI zum Programmieren eingesetzt wird, dann muss das Ergebnis auch qualitätsgesichert werden. Hier ist es essenziell, dass wir Mitarbeiter:innen haben, die das Ergebnis beurteilen können. Höchste Qualität und Sicherheit für unsere Kunden muss immer gewährleistet sein. Und dazu braucht es Menschen.
Wie man den Medien entnehmen kann, werden in den nächsten 13 Jahren 44 % der öffentlich Bediensteten in Pension gehen. Durch Nicht‑Nachbesetzungen sollen Einsparungen in Millionenhöhe erzielt werden. Die IT hat hier einen wesentlichen Hebel: einerseits den Wissenstransfer zu unterstützen, und andererseits durch den Einsatz von KI Effizienzsteigerungen zu erwirken. Allein wenn man an den elektronischen Akt im Bund, den ELAK, denkt: Hier beschleunigt der Einsatz von KI wesentliche Prozesse oder unterstützt bei Zusammenfassungen umfangreicher Akten. Ein gutes Beispiel, wie mit Hilfe von KI Zeit und Ressourcen besser eingesetzt werden können.
Für ein IT‑Unternehmen sind wir ein Unternehmen mit einem hohen Durchschnittsalter von 44,7 Jahren. Ältere Mitarbeiter:innen stellen sicher, dass profundes Know-how im Unternehmen vorhanden ist. Bei uns gehen in den nächsten zehn Jahren ca. 25 % der Kolleginnen und Kollegen in Pension. Da muss der Wissenstransfer sichergestellt werden. Dafür haben wir entsprechende Vorgehensmodelle, bei denen Wissen über alte Technologien weitergegeben wird, was für die Weiterentwicklung von heterogen gewachsenen Anwendungen immer noch sehr wichtig ist. Andererseits bieten wir mit Reverse Mentoring ein neues Element in unserem Mitarbeiter:innen‑Programm an. Dabei drehen wir das Mentoring praktisch um. Jüngere Kolleginnen und Kollegen führen altgediente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in neue Technologien ein. Das inkludiert auch den Umgang mit Social Media. Nur so bleibt man als Unternehmen innovativ und relevant.
Wer bei uns arbeitet, gestaltet die IT des Staates mit und kreiert für alle Personen in Österreich nützliche Services. Wir sind so nicht nur für die Verwaltung tätig, sondern auch für alle in diesem Land.
Sparen ist im BRZ immer ein Thema, nicht nur wenn Budgetrestriktionen das erforderlich machen. Wir haben in den vergangenen Jahren, trotz steigender Gehälter, immer unsere Produktpreise gesenkt, und das vor allem durch Konsolidierung, Standardisierung und Effizienzsteigerungen beim Betrieb von Anwendungen. Diesen Weg gehen wir natürlich kontinuierlich weiter.
Der Frauenanteil im BRZ liegt bei 25 %. Das ist für ein IT-Unternehmen ein guter Anteil, aber wir setzen hier auch zahlreiche Initiativen wie den BRZ FemCareer Day oder die regelmäßige Teilnahme am Töchtertag, um diesen weiter zu erhöhen. Unser Ziel, den Anteil pro Jahr um 1 % zu steigern, erreichen wir aber leider nicht. Da bedarf es schon einer gesellschaftlichen Anstrengung, junge Frauen mehr für technologische Studiengänge zu begeistern. Das würde auch den Wirtschaftsstandort Österreich stärken. Diversität leben wir im BRZ aber nicht nur als Diversität zwischen Männer und Frauen, sondern wir sehen dieses Thema sehr breit. So beschäftigen wir im BRZ Personen mit über 40 Nationalitäten. Unser Ansatz ist, dass Vielfalt zu mehr Innovationspotenzial beiträgt.
Wir befassen uns schon seit fast 20 Jahren mit dem Thema Green IT. Der Strom in unserem Rechenzentrum kommt aus erneuerbarer Energie. Wir haben auch eine eigene Warmwasseraufbereitung im Gebäude, das heißt, die Abwärme des Rechenzentrums nutzen wir für warmes Wasser aus dem Wasserhahn. Bei den Aufzügen setzen wir auf Energierückgewinnung, unsere neuen Beleuchtungskonzepte sind energiesparend und wir haben mehrere Konzepte
zur Mülltrennung. Nachhaltigkeit ist bei uns ein gelebtes Thema.
Die letzten Jahre war eine sehr intensive, spannende Zeit. Während der Pandemie haben wir es von einem Tag auf den anderen geschafft, das gesamte Unternehmen ins Home Office zu schicken, und hatten gleichzeitig ein vielfaches Mehr an Aufträgen abzuwickeln. Wir konnten so erfolgreich eine neue Arbeitskultur etablieren. Mittlerweile haben wir die Möglichkeit geschaffen, 60 % im Home Office zu arbeiten, was sehr gut funktioniert. Es gab zahlreiche technologische Entwicklungen, mit der Einführung eines KI-Assistenten für alle Mitarbeiter:innen schaffen wir neuerlich eine neue Kultur des Arbeitens. Die letzten Jahre waren auch geprägt von einer erfolgreichen Positionierung der Arbeitgebermarke BRZ. Wir sind vielfach ausgezeichnet worden, unter anderem als Best Recruiter, österreichweit über alle Branchen sowie im IT‑Bereich, zweimal Gold. Das macht mich persönlich sehr stolz.
Das Interview ist in read_it Ausgabe 02/2026 erschienen.