Digitale Wellen

Simple as that: Einfach automatisch übersetzt

21. Jänner 2026

Das Analysesystem DAI-SY kann nicht nur große Datenmengen selbstständig untersuchen, es übersetzt diese bei Bedarf auch.

Mit dem DAten-Informations-und -analyse-SYstem – kurz DAI-SY – des Amtes für Betrugsbekämpfung und des Zollamts Österreich werden beschlagnahmte digitale Daten forensisch ausgewertet, etwa von Smartphones, Mail-Servern oder Laptops. In manchen Betrugsfällen werden auch zusätzlich gescannte Papierdaten in das System übernommen. DAI-SY unterstützt dann dabei, die riesige Datenmenge effizient zu durchsuchen und auszuwerten. Diese digitalen bzw. digitalisierten Daten können aber auch in allen möglichen Sprachen vorliegen. Im besten Fall konnten die Fahnder:innen die jeweilige Fremdsprache selbst verstehen, in der Regel war aber die Unterstützung durch Übersetzer:innen notwendig, um die Relevanz der gesicherten Daten einschätzen zu können.

Maschinelle Übersetzung

"Genau für solche Fälle haben wir in DAI-SY einen Proof of Concept für die maschinelle Übersetzung von großen Dokumentmengen durchgeführt", erklärt Marcus Prandler, Technical Consultant im BRZ. "Vorrangiges Ziel war es, eine Lösung zu finden, die mit Hilfe einer maschinellen Übersetzung eine sehr große Datenmenge bearbeiten kann. Außerdem sollte diese sehr viele Sprachen ‚verstehen‘ und bei der Übersetzung das Layout von Dokumenten so weit wie möglich erhalten. Klar war auch, dass von dem Tool keine ‚gerichtsfeste‘ Übersetzung erwartet wird." Durch die maschinelle Übersetzung soll eine schnelle Sichtung auf relevante Informationen und Dokumente kostengünstig und effizient ermöglicht werden. Professionelle Übersetzer:innen kommen erst dann ins Spiel, wenn von tatsächlich relevanten Dokumenten Übersetzungen für die Verwendung als Beweismittel erstellt werden müssen.

Europäische Union als Vorbild

"Als Inspiration für die Implementierung einer eigenständigen Übersetzungslösung im BRZ-Rechenzentrum diente die eTranslation der AI language tools der Europäischen Kommission", so Prandler. eTranslation wurde für die Übersetzungserfordernisse aller EU-Institutionen entwickelt und deckt die Amtssprachen der EU sowie einige weitere Sprachen ab. "Diese bestehende Lösung konnte aber weder die Sicherheitserfor-dernisse noch die benötigte Sprachenvielfalt und auch nicht Anforderung unserer Kunden an eine breite Formatunterstützung erfüllen." Bei der Umsetzung im Rahmen des Proofs of Concept fiel die Wahl daher auf das Transformer-Modell MADLAD-400, das mehr als 400 Sprachen unterstützt. Auf Grund des sehr hohen Schutzbedarfs der verarbeiteten Daten in DAISY war die Umsetzung on premises im BRZ-Rechenzentrum alternativlos.

Translation Service nutzt BRZ-PaaS

Wie auch DAI-SY selbst ist das Translation Service technisch auf Grund der Performance Anforderungen als skalierbare Kubernetes-Applikation in der BRZ-PaaS umgesetzt. Als eigenständige Komponente im IT-Verfahren DAI-SY konzipiert, wird das Übersetzungs-Tool darüber hinaus auch voll mandantenfähig sein. "Im Rahmen des Proofs of Concept konnten wir sehr viele Erfahrungen sammeln", ergänzt Prandler. "So wissen wir, von welchen Faktoren die Übersetzungsqualität abhängt, welche Herausforderungen beim Erhalt des Dokument-Layouts und des Textflusses zu meistern sind und welche Hürden bei den Performance-Einflüssen zu nehmen sind."

Überzeugendes Service

Peter Putzer verantwortet im Bundesministerium für Finanzen das Verfahren DAI-SY. Auch er ist vom neuen Translation Service überzeugt: "Die ersten Ergebnisse dieser Umsetzung können sich sehen lassen. Natürlich gibt es noch Optimierungsbedarf, es handelt sich ja um einen Proof of Concept, aber der Mehrwert der Ziellösung ist schon jetzt ohne Zweifel zu erkennen. Wir haben gemeinsam mit dem BRZ eine erste Version eines universell einsetzbaren Übersetzungs-Tools geschaffen, das mittelfristig auch andere Dienststellen im Finanzministerium nutzen können und das bei entsprechendem Bedarf auch weiteren Institutionen der Verwaltung zur Verfügung stehen wird."