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Mehr Transparenz im Förderwesen

21. Jänner 2026

Eine innovative KI-Lösung identifiziert Doppel- oder Mehrfachförderungen und verbessert so die Wirkungsorientierung des Budgetmitteleinsatzes.

Das Transparenzportal des Bundesministeriums für Finanzen bietet allen Interessierten einen umfassenden Überblick über die Förderlandschaft Österreichs. Trotz dieser Transparenz ist die Förderlandschaft in Österreich ein sehr komplexes Thema. Bund, Länder und Gemeinden vergeben jährlich Förderungen in unterschiedlichsten Bereichen – von Sport über Umwelt bis hin zu Wirtschaft und Bildung. Eine unbeabsichtigte Folge: Bürger:innen oder auch Institutionen können mehrfach für ähnliche Vorhaben gefördert werden. Solche Doppel- oder Mehrfachförderungen zu identifizieren, war bislang müh-sam, zeitaufwendig und größtenteils nur manuell durchführbar. Vor diesem Hintergrund initiierte das Finanzministerium gemeinsam mit dem BRZ einen Proof of Concept. Die zentrale Fragestellung dabei war: "Kann künstliche Intelligenz die Recherchetätigkeit bei der Identifikation solcher Fälle unterstützen – und wenn ja, in welchem Umfang?"

Automatische Identifikation

Im Rahmen dieses Proofs of Concept wurde ein KI-gestützter Ansatz entwickelt, um gebietskörperschaftsübergreifende Doppel- und Mehrfachförderungen basierend auf den Einträgen im Transparenzportal automatisiert zu identifizieren. Der entwickelte Ansatz kombiniert strukturierte Datenanalysen, semantische Textvergleiche und Large Language Models (LLMs), um potenzielle Überschneidungen zwischen Förderprogrammen zu erkennen und nachvollziehbar zu begründen. Konkret kombiniert der hybride Analyseansatz folgende Methoden:

  • Strukturierte Datenanalyse: Förderungen mit klar unterschiedlichen Zielgruppen oder regionalen Geltungsbereichen (z. B. unterschiedliche Bundesländer) wurden ausgeschlossen.
  • Semantische Ähnlichkeitsvergleiche: Basierend auf den Förderbeschreibungen aus dem Transparenzportal wurden die Förderungen untereinander auf Überschneidungen geprüft.
  • Inhaltliche Analyse: Mit Hilfe eines LLMs und optimiertem Prompt Engineering wurden die Förderbeschreibungen detailliert verglichen und potenzielle Doppelförderungen begründet.

Die Ergebnisse wurden in Form von Excel-Tabellen und interaktiven Netzwerkgrafiken visualisiert.

Beeindruckende Ergebnisse

Mit Hilfe des Vorgehens konnten rund 15 Millionen Förderpaarvergleiche aus 12 unterschiedlichen Förderbereichen analysiert werden. Davon wurden 2.783 als potenzielle Doppelförderungen identifiziert. Expertinnen und Experten des Finanzministeriums konnten daraus 1.036 Fälle identifizieren, die einer detaillierten Prüfung unterzogen werden sollten. Häufungen traten dabei insbesondere in den Bereichen Sport, Gesellschaft, Kultur und Religion, Umwelt- und Klimaschutz, Energie und Wirtschaftliche Angelegenheiten auf. Der Mehrwert für die Verwaltung wäre bei einem Produktiveinsatz groß: Sachbearbeiter:innen könnten künftig einfacher Hinweise auf Mehrfachförderungen erhalten. Das spart Zeit, erhöht die Effizienz und verbessert die Wirkungsorientierung des Budgetmitteleinsatzes. Die Lösung schafft zudem eine Gesamtsicht über die Förderlandschaft – eine echte Hilfe für strategische Steuerung und politische Entscheidungsfindung.

Wegweisendes Projekt

"Was als Proof of Concept begonnen hat, hat das Potenzial, konkrete Hinweise auf Doppel- und Mehrfachförderungen sowie auf Bereiche mit besonders hoher Förderintensität zu liefern", zeigt sich Robert Weinzettl, Applikationsleiter Transparenzdatenbank im BMF, überzeugt. "Ein echter Fortschritt – für Verwaltung, Bürger:innen und einen gezielteren und nachvollziehbaren Einsatz öffentlicher Mittel." Langfristig soll die Lösung zu einem produktiven System weiterentwickelt und in die Verfahren des Transparenzportals integriert werden. Ziel ist es auch, für die Fördergeber automatisierte, KI-unterstützte Entscheidungshilfen zur Identifikation von Doppelförderungen schon bei der Anlage von Förderungen anzubieten. Zusätzlich sollen Informationen von Fördergeber Websites und rechtliche Grundlagen eingebunden werden, um die Analysequalität weiter zu steigern.