BRZ-Geschäftsführer Ing. Roland Ledinger im Bild

"Bei KI ist es wichtig, die Expertise aber auch die Technik direkt im Unternehmen zu haben"

02. Jänner 2026

BRZ-Geschäftsführer Ing. Roland Ledinger im traditionellen Jahresinterview über künstliche Intelligenz, digitale Souveränität und grenzüberschreitende Zusammenarbeit.

Auf welche Erfolge können die BRZ-Mitarbeiter:innen im vergangenen Jahr zurückblicken?

Wir haben an der Unterstützung der E-Government-Strategie, dem Digital Austria Act 2.0 der Bundesregierung, weitergearbeitet. So haben wir etwa bei der ID Austria einen Relaunch umgesetzt und die Grundlage dafür geschaffen, das EU-Wallet implementieren zu können. Beim Unternehmensserviceportal und anderen großen Portalen haben wir technisch und funktionell Optimierungen durchgeführt. Das Digitalisierungsprogramm Justiz 3.0 wurde erfolgreich weiter vorangetrieben und auch die Opferhilfe-Anwendung der Justiz wurde modernisiert. Für das AMS haben wir mit MeinAMS eine neue, intuitive Online-Plattform gelauncht. Es sind auch sehr viele Themen im Bereich KI neu dazugekommen – etwa mit KI-SUN ein digitaler Assistent ffür das Personalmanagement des Bundes.

Digitalisierung ist zentrales Thema des aktuellen Regierungsprogramms. Inwiefern unterstützt das BRZ dabei?

Wir sind bei unseren Kunden sehr breit aufgestellt. Das heißt, es gibt fast überall Anknüpfungspunkte, ob das jetzt im Bereich der Justiz, der Finanz oder der Gesundheit ist. Wesentlich war aber, dass wir in allen Bereichen versucht haben, Prozessautomatisierung oder aber auch KI einzusetzen. Die Ministerien sind unter Druck. Einerseits gilt es, demografische Entwicklungen – Stichwort: Pensionierungen – abzufedern, andererseits gibt es massiven Budgetdruck und da heißt es, Effizienzsteigerungen durch Digitalisierung zu erzielen. Wir haben geschaut, dass man beim Betrieb von IT-Anwendungen Effizienzsteigerungen erzielen kann und dass man in den Projekten auf jene Prioritäten fokussiert, die man dringend benötigt. So haben wir unseren Beitrag geleistet, um die Budgetkonsolidierung unserer Kunden entsprechend gut zu unterstützen. 

Welche Trends werden uns in der IT-Branche 2026 begleiten?

Wir werden in diesem Jahr nicht nur generative KI sehen, also KI, die nach gezielter Aufforderung neue Inhalte erstellen kann, sondern auch Agentic KI, die autonom agiert, um Aufgaben selbstständig zu planen und auszuführen. Außerdem geht der Trend zu mehr speziellen branchen- oder bereichsspezifische Large Language Models (LLMs), was auch in der Verwaltung seinen Niederschlag finden wird. Die aktuelle weltpolitische Lage lässt das Dauerthema
Cybersecurity wieder mehr in den Mittelpunkt rücken. Auch die Frage, wie wir unsere digitale Souveränität stärken können, wird einen deutlich höheren Stellenwert bekommen.

Wie kann man digitale Souveränität fördern?

Bei digitaler Souveränität geht es darum, eine gewissen Unabhängigkeit oder Wahlfreiheit zu haben. Es ist nicht nur die Frage, ob ich Open Source einsetze oder ein Produkt von irgendeinem weltweiten Konzern. Es ist die Frage, habe ich die Möglichkeit zu wechseln und kann man im Anlassfall auf alternative Produkte zurückgreifen? Wenn wir stärker auf Open Source setzen, dann müssen wir stärker eigene Skills aufbauen, um diese Produkte auch beherrschen zu können. Es braucht mehrere Anbieter, um Handlungsoptionen gewährleisten zu können. Letztlich brauche ich einen gewissen Mix aus Open Source und Kauf-Software, um eine Resilienz im Sinne der digitalen Souveränität sicherzustellen.

Das kann aber nur auf nationaler Ebene nicht gelöst werden …

Natürlich ist die Frage der digitalen Souveränität eine gemeinschaftliche. Wir müssen hier geeint vorgehen und eine Strategie finden, wie man diese Resilienz der digitalen Infrastruktur in Europa gemeinsam löst. Digitale Prozesse laufen heute nicht mehr nur national ab. Wir werden uns gegenseitig nicht unterstützen können, wenn wir nicht Standards quer über Europa haben. Das bedeutet auf der technischen Ebene eine Standardisierung, aber auch bei den Verfahren selbst. Heute reden wir nur von Interoperabilität, in Wirklichkeit brauchen wir aber viel homogenere Prozesse. Es würde dadurch auch für Europa ein viel größerer Markt entstehen, der auch für Firmen, die Lösungen anbieten, attraktiver wäre.

Inwieweit unterstützt da die Mitgliedschaft bei der Euritas?

Es gab einige wichtige Erkenntnisse beim letzten EURITAS-Summit in Brüssel. So müssen wir im Sinne der digitalen Souveränität auch in puncto Cybersecurity viel stärker in eine Standardisierung  kommen. Das betrifft auch das Thema KI. Hier braucht es etwa standardisierte Richtlinien, aber auch technische Vorgaben, wie man damit Services umsetzt. Denn, wenn wir ein LLM im BRZ betreiben, spricht nichts dagegen, dass das auch eine andere europäische Verwaltung nutzt. Das setzt gemeinsame Standards und homogenisierte Infrastrukturen voraus. All das versuchen wir mithilfe der Euritas voranzutreiben.

Wie sieht die BRZ-Strategie in Sachen KI konkret aus?

Ein Teil unserer Unternehmensstrategie hat zum Ziel, das BRZ als KI-Organisation aufzustellen, das heißt überall dort, wo wir die Möglichkeit sehen, setzen wir KI ein, um unsere Effizienz und Produktivität zu steigern. Ein Aspekt davon ist, unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen KI Personal Assistant zur Seite zu stellen, um generative KI im Unternehmen breit einzusetzen und um die Expertise bei allen zu stärken. Wir setzen KI auch dort ein,
wo man damit Effizienzsteigerungen erwartet. Das ist der Bereich Cybersecurity, aber auch in Bereichen wie der Software-Entwicklung der Fall. KI kann aber nicht nur beim Coding unterstützen, sondern auch bei anderen Themen wie Testing oder Re-Engineering bis hin zu Procurement, Legal oder Vertragsmanagement.

Wie kann das BRZ Large Language Models losgelöst von großen Unternehmen wie Microsoft oder OpenAI anbieten?

Wir beschäftigen uns schon seit mindestens zehn Jahren mit dem Thema KI. Irgendwann war klar, es wäre für Umsetzungen, wo wir vertrauenswürdige Daten verarbeiten, sinnvoll, ein eigenes LLM einzusetzen. Also haben wir uns das Ziel gesetzt, unseren Kunden eine sichere Basis für KI in Form  eines LLM anbieten zu können. Dazu setzen wir auch ein Portal um, das KI-Services bei uns on premise bereitstellt. Zu guter Letzt binden wir auch den ELAK in unsere KI-Infrastruktur ein. Da können sich die User dann etwa Zusammenfassungen von Akten erstellen lassen, ohne den ganzen Akt durchzusehen zu müssen.  Unsere KI-Expertise bringen wir aber auch in Kundenprojekte ein. Wir arbeiten gerade auch zum Thema parlamentarische Anfragen mit einem Kunden zusammen und werden hier unsere Innovationsleistungen beisteuern. Ziel ist, aus vorhandenen Antworten, aber auch mit eigenem, neuem Material, Vorschläge für mögliche Antworten zu generieren. Aber in allen Fällen, wo KI im Spiel ist, ist aber immer wichtig, dass stets der Mensch als User im Mittelpunkt steht und die letzte Entscheidung über das Ergebnis trifft und dass die Datenverarbeitung sicher erfolgt. 

Welche Themen werden das BRZ 2026 beschäftigen?

Das Datenthema wird für uns als BRZ immer ein zentrales Thema bleiben, genauso wie Cybersecurity. Als Technologie wird KI einen wesentlichen Platz einnehmen. Es gibt kaum mehr ein Projekt, wo KI nicht zu tragen kommt, sei es beim Thema "Handschriften- Erkennung", sei es bei Übersetzungen oder bei Zusammenfassungen großer Datenmengen. Deshalb ist es auch so wichtig, die Expertise aber auch die Technik direkt im Unternehmen zu haben. Nur so kann die Abhängigkeit von großen internationalen Konzernen reduziert werden.

 

Das Interview ist in read_it Ausgabe 01/2026 erschienen.

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