Bereichsleiterin Patrizia Pekarek im Interview

"Das Angebot des LFRZ ist eine gute Ergänzung zum BRZ-Portfolio"

01. Oktober 2026

Patrizia Pekarek, LFRZ-Geschäftsführerin sowie Bereichsleiterin "Finance & Legal" im BRZ, über 10 Jahre LFRZ als Teil der BRZ-Gruppe, Nachhaltigkeit und Datenschutz sowie Künstliche Intelligenz.

Was umfasst Ihr Verantwortungsbereich "Finance & Legal"?

Als reiner Verwaltungsbereich ist das der kleinste Bereich des Hauses, aber einer der spannendsten. Die Themenvielfalt ist sehr heterogen – vom externen und internen Rechnungswesen über den ganzen Einkauf bis hin zu Spezialthemen wie "Datenschutz", "Risikomanagement" oder "Compliance". 

Das BRZ ist im Eigentum der Republik. Gibt es Besonderheiten, die es von anderen IT-Unternehmen unterscheidet?

Kein anderes IT-Unternehmen hat ein eigenes Gesetz als Grundlage. Dieses regelt, wie wir unsere Leistungen anbieten, welche Leistungen wir anbieten und unter welchen Bedingungen. Als BRZ agieren wir in einem Spannungsfeld zwischen öffentlicher Hand und privatem Markt. Außerdem sind wir auch öffentlicher Auftraggeber im Sinne des Bundesvergabegesetzes. Im Vergleich zu unseren Mitbewerbern am Markt bringt das alles zusätzliche  Herausforderungen mit sich.

Welche rechtlichen Entwicklungen beobachten Sie aktuell besonders aufmerksam?

Die letzten Jahre waren stark von EU-Regulatorik geprägt, die zum Teil in nationales Recht übersetzt werden muss, zum Teil aber auch unmittelbar gültig ist. Uns trifft oft die Regelungsdichte, vor allem bei Themen wie "Nachhaltigkeit", "Künstliche Intelligenz" oder dem Umgang mit Daten. Oft stellt sich auch die Frage, wie all diese Gesetze, Richtlinien und Verordnungen zusammenpassen. Leider haben sie nicht immer eine gleiche Begriffsdefinition, so dass vieles oft Interpretationssache bleibt.

Welche Anforderungen der Bundesverwaltung erleben Sie als besonders relevant?

Die Bundesverwaltung steht unter einem massiven Spardruck und leidet auch unter dem Phänomen, dass sehr viele Mitarbeiter:innen bald in Pension gehen werden, das heißt, es gilt Prozesse effizienter abzuwickeln. Ein wichtiger Schritt, der dazu notwendig wäre, ist, Prozesse anders zu denken und aufzusetzen. Technisch ist vieles möglich, aber die gesetzliche Grundlage fehlt. Dieses Spannungsfeld ist vorhanden und auch zu spüren.

Wo sehen Sie derzeit die größten Chancen für die Bundesverwaltung?

Die größte Chance für die Bundesverwaltung ist die Unterstützung durch IT. Die Frage ist, ob es geschafft wird, die Prozesse so zu vereinfachen, dass eine Unterstützung Sinn macht, und auch eine entsprechende Konsolidierung innerhalb des Bundes zu erreichen, sowohl von Prozessen als auch von Systemen. Das ist eine Chance. Das Risiko ist natürlich, dass es nicht geschieht. 

Sind erfolgreiche Digitalisierung und Datenschutz aus Ihrer Sicht ein Widerspruch?

Technisch ist viel möglich. Das ist gleichzeitig ein Risiko und eine Chance. Die Kunst ist es, beide Elemente miteinander zu verbinden und hier eine Sicherheit herzustellen, die auch bemerkbar ist. Per se ist es aber kein Widerspruch.

Welche Bedeutung haben Compliance und Corporate Governance im BRZ?

Compliance und Corporate Governance bilden das Rückgrat unseres Unternehmens. Compliance ist ein ständiger Prozess, bei dem es um Interpretation, um Regelwerke, aber auch um die Unternehmenskultur geht. Es gilt nicht nur die Regelkonformität sicherzustellen, sondern die Regeln auch so darzustellen, dass sie jeder verstehen und anwenden kann. Dafür haben wir auch inhouse eine Compliance-Schulung als E-Learning umgesetzt.

Welche Kontrollmechanismen sind für ein IT-Unternehmen im öffentlichen Bereich besonders wichtig?

Kontrollmechanismen in meinem Bereich sind wie in jedem anderen Unternehmen vorhanden. Eine Besonderheit für uns ist, dass wir laut BRZ-Gesetz zu Zweckmäßigkeit und Sparsamkeit verpflichtet sind. Da wir mit dem Geld der Steuerzahler:innen agieren, schauen wir da besonders darauf. Selbst unsere jährliche Preisfestsetzung unterliegt der Kontrolle durch das Bundesministerium für Finanzen.

Welchen Stellenwert hat das Thema Green IT im BRZ?

Nachhaltigkeit ist uns sehr wichtig, allein aufgrund der von der EU vorgegebenen Regelungen. Aber mit dem Thema Green IT haben wir uns eigentlich schon vor mehr als 15 Jahren begonnen intensiver auseinanderzusetzen. Das Thema ist mit der Sanierung unseres Bürogebäudes aufgekommen. Damals wurde hinterfragt, wie man ressourcenschonend die Energie für die Kühlung beziehen kann. Seit 2015 beziehen wir sämtliche Energie für alle Standorte aus nachhaltigen Quellen. Wir führen auch regelmäßige Energiemonitorings, sogenannte Energy Audits, durch, um Optimierungspotenziale aufzuspüren. Das alles ist sehr wesentlich, wenn man etwa an KI-Systeme denkt, die als Stromfresser gelten. 

Wie berichtet das BRZ über das Thema Nachhaltigkeit?

Ursprünglich hätte es schon 2026 den ersten Nachhaltigkeitsbericht gemäß der neuen EU-Gesetzgebung geben sollen. Jetzt müssen wir aber erst 2027 offiziell berichten. Da wir aber mit dem Thema schon sehr intensiv begonnen hatten, haben wir auch heuer schon einen Bericht veröffentlicht. Da sind schon alle EU-Anforderungen erfüllt. Dieser ESG-Bericht bietet einen sehr guten Überblick über die Themenbereiche "Environment", "Social" und "Governance".  Wir sind also entsprechend gewappnet, wenn nächstes Jahr vom Gesetz her ein Bericht erstellt werden muss.

Das LFRZ ist seit 10 Jahren ein Tochter-Unternehmen des BRZ. Wie verlief die Entwicklung des LFRZ in diesen 10 Jahren?

Bei der Übernahme war das LFRZ in einer sehr schwierigen Lage. Mit rund 30 Mitarbeiter:innen wurden damals knapp 4 Millionen Euro Umsatz erreicht und es wurden immer wieder massive Verluste geschrieben. In den letzten zehn Jahren ist viel passiert. Wir haben mittlerweile fast 50 Mitarbeiter:innen und ein Umsatzvolumen bei 9 bis 10 Mio. Euro. Das LFRZ bedient ein sehr spezielles Segment, das das BRZ im Wesentlichen gar nicht abdeckt, nämlich den ganzen land- und forstwirtschaftlichen Bereich. Es gibt z. B. ein Weinregister oder ein Register für das Washingtoner Artenschutzabkommen. Da geht es um sehr spannende Themen wie "Wasserwirtschaft" oder "Lawinenschutz", vieles hat mit Umwelt und Nachhaltigkeit zu tun. Was das LFRZ darüber hinaus besonders macht, ist etwa die Beschäftigung mit Geoinformations-Systemen. All das ist eine gute Ergänzung zum Portfolio des BRZ.

Wo geht da die Reise hin, wenn man zehn Jahre in die Zukunft blickt?

Das hängt sehr vom Willen unserer Kunden ab, aber Themen wie Umwelt oder Nachhaltigkeit werden durchaus an Dynamik gewinnen. Vorhersagen und Prognosen werden immer wichtiger. Wo steigt der Grundwasserspiegel? Oder wo sind Hochwasser-Zonen? Da unterstützt ein LFRZ-Tool wie HORA zur grafischen Darstellung von Naturgefahren. Da ist noch sehr viel Potenzial vorhanden.

Was ist der Mehrwert fürs BRZ und auch für dessen Kunden, dass das LFRZ ein Teil des BRZ ist?

Der Mehrwert ist die umfangreiche Expertise der LFRZ-Mitarbeiter:innen, die jene des BRZ gut ergänzt. Es gibt etwa beim Thema Content-Management-Systeme sehr große Erfahrung, von der das BRZ und seine Kunden profitieren können. Aufgrund der Größe des LFRZ und der damit geringeren Regulatorik agiert es als Unternehmen einfach flexibler. Das LFRZ unterliegt auch nicht dem BRZ-Gesetz. Wir haben es in diesen zehn Jahren geschafft, ein sehr gutes Miteinander – und nicht Nebeneinander – auf verschiedensten Gebieten zu finden.