Ein Cloud-Ökosystem am Horizont

Die Softwarehersteller geben die Marschrichtung vor. Immer mehr wechseln ihre Produkt-Strategie von „Cloud first“ zu „Cloud only“.
Was bedeutet dieser Trend für die Verwaltungs-IT?

Ein Unternehmen ohne Internet-Anschluss? Das ist schon seit längerer Zeit undenkbar. Ebenso selten wird im Jahr 2020 eine „No Cloud“-
Firmenpolitik sein, prognostiziert das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Gartner. Der gegenwärtige Trend geht sogar noch weiter: Innerhalb der nächsten zwei Jahre werden viele Softwarehersteller
von ihrer derzeitigen Strategie „Cloud first“ auf „Cloud only“ wechseln.
Die Cloud wird zunehmend zur Standardoption für Software, der Markt für IaaS, PaaS und SaaS (siehe Glossar) wächst weiter zweistellig. „Die IT-Service-Landschaft wird heute von Cloud-Technologien beherrscht“,
meint Wilfried Jäger, Programm Manager Cloud im BRZ. Das betrifft den privaten Bereich bis hin zur öffentlichen Verwaltung. Im Consumer- und
auch im E-Government-Bereich sind Services, die auf Cloud-Technologie beruhen, nach Jägers Einschätzung ein absolutes Muss. Die Entwicklungen der Privat-Industrie mit ihren App-Stores geben hier
die Marschrichtung vor. So haben große Anbieter wie etwa Microsoft und SAP angekündigt, ihre Software in Zukunft ausschließlich – oder zumindest teilweise – als Cloud-Service zur Verfügung zu stellen. Die Nutzer/innen wollen heute selbstverständlich ohne Synchronisation über Notebooks, Tablets oder andere mobile Endgeräte ihre Anwendungen
zur Verfügung haben. Diese Services werden am einfachsten über Cloud-Technologie zur Verfügung gestellt. Kapazitätserweiterungen von Speicherplatz und Computerleistung sind rasch und preisgünstig möglich.

Kosten reduzieren, Qualität erhöhen

Cloud-Technologie ist in hohem Maß von Virtualisierung und Automatisierung geprägt. IT-Services, Computer-Plattformen und IT-Infrastruktur können in Minutenschnelle bereitgestellt werden. Da das Installieren bzw. Deinstallieren von Applikationen automatisiert sehr rasch abläuft, kann IT-Leistung flexibel, schnell und auch nur für kurze Zeit bereitgestellt werden. „In einer Cloud-Umgebung kann bei reduzierten Betriebskosten die Qualität durch die Automatisierung erhöht werden“, erklärt Jäger. Sparmaßnahmen, Synergien nutzen, stärkere Kooperation:
Interne Verwaltungsanforderungen wie diese können durch die Nutzung von ressortübergreifenden Skaleneffekten und automatisierten Betrieb
wesentlich leichter als bisher realisiert werden. Diese Anforderungen lassen sich kostengünstig nur mehr über Cloud-Services umsetzen.

Elemente einer Cloud-Strategie

Damit die Verwaltung das komplette Potenzial der Cloud nutzen kann, bedarf es jedoch einer klaren Strategie. Zu einer solchen gehören:

  1. ein grundsätzliches Bekenntnis zur Cloud-Fähigkeit aller neuen Applikationsentwicklungen und IT-Beschaffungen;
  2. IT-Governance und Standard-Architekturen werden in Cloud Competence Centern verankert, die für eine langfristige Standardisierung und Cloud-Nutzung sorgen;
  3. eine klare Klassifizierung von Applikationen und Daten, ob sie im eigenen Rechenzentrum (Private Cloud), teilweise extern (Hybrid Cloud) oder komplett in der Public Cloud – von kommerziellen Drittanbietern – abgelegt werden sollen. Das sorgt für klare Vorgaben und Sicherheit auf der Projektebene.


In einigen Fällen werde es laut Gartner immer ernstzunehmende Einwände gegen eine Nutzung vor allem der Public Cloud geben. Man muss genau überlegen, welche Daten man an welchen Dienstleister zur Verarbeitung oder Speicherung übergibt. „Das BRZ hat eine spezielle Position“, so Jäger. „Wir unterstützen die Verwaltung in der Erhaltung der digitalen Souveränität und beim Schutz der Privatsphäre der Bürgerinnen und Bürger.“ Eine Umstellung aller Applikationen auf eine Public Cloud, in der es keine nach österreichischem Recht geklärte Datenhaltung
gibt, ist daher nicht möglich. „IT-Shop“ für die Verwaltung Vor diesem Hintergrund nimmt das BRZ eine „Cloud first“-Strategie ein, alle neuen Entwicklungen gehen dahin. Diese Strategie führt mit großen Schritten
in Richtung vollautomatisierte Infrastruktur über ein Service-Portal. Über dieses Portal können dann Kunden, IT-Mitarbeiter/innen der Verwaltung,
Entwickler/innen wie in einem IT-Shop mit Maus-Klick Entwicklungsserver, Datenbanken und Storage ordern. Die  Authentifizierung und Autorisierung für solche Transaktionen, aber auch der Auftrag zur automatischen Bereitstellung (Provisionierung) wird über dieses Portal abgewickelt. Welche Anwendungen dann komplett in einer
Public Cloud oder in einer zugewiesenen Private Community Cloud  betrieben werden, hängt von den spezifischen Rahmenbedingungen ab. Ein Beispiel: das Auslagern von rechnerintensiven, kurzfristigen IT-Services (z. B. Entwicklungsumgebungen, Schulungs- und Testumgebungen), wobei die Produktiv-Umgebung in der BRZ-Cloud verbleibt. Solche Hybrid-Lösungen nutzen die Vorteile der Cloud,
minimieren aber gleichzeitig die Risiken.


Aufbau eines Competence Centers


Wie geht das BRZ nun konkret vor? Es hat den Bereich „Digitale Transformation“ gegründet, in dem digitale Prototypen auf Cloud-Technologie erstellt werden. Ein Cloud Competence Center, das den „Cloud first“-Ansatz mit Standard-Architekturen und Technologie-Governance konsequent umsetzt, wird vorbereitet. Diese Cloud-Governance soll einerseits einheitliche, marktgängige Architektur-Standards setzen, um rasch und sicher private Cloud-Angebote nutzen zu können. Andererseits soll die korrekte Abwicklung und Rechtskonformität sichergestellt werden.


Dieses Cloud Competence Center mit seinen Praxiserfahrungen wird die BRZ-Kunden bei der digitalen Cloud-Transformation begleiten. Langfristig ist das Ziel, ein Cloud-Ökosystem für die Verwaltung zuschaffen, damit diese vertrauensvolle, flexible und effiziente Services aus der Cloud beziehen kann.

Glossar
IaaS (Infrastructure as a Service): Statt sich eigene
Server, Speicher und Netzwerkelemente zu kaufen, werden diese bei Bedarf gemietet.


PaaS (Platform as a Service): Eine vollständige Entwicklungsumgebung
in der Cloud.


SaaS (Software as a Service): Auch Software on-Demand genannt.
Die Anwendung wird bei Bedarf bereitgestellt.


Public Cloud: Die Infrastruktur für die Cloud-Services stehen
jedem Kunden zur Verfügung.


Private Cloud: Die Services mit den typischen Cloud-Eigenschaften werden nur einer zugeordneten Kundengruppe bereitgestellt.


Hybride Cloud: Die Leistungen des eigenen Rechenzentrums
werden mit denen von Public-Cloud-Anbietern kombiniert.