Portraitfoto einer Dame mit dunkelblonden schulterlangen Haaren mit Strinfransen in dunkelblauem Blazer

Das Thema Sicherheit ist ein zentraler Faktor

Dr. Ulrike Baumgartner-Gabitzer ist Vorstandsvorsitzende der Austrian Power Grid AG

Wo liegen die größten  Herausforderungen  in  einer  digitalen Wirtschaft – Sicherheit der Systeme, Sicherheit des Zahlungsverkehrs, Gewährleistung von Wettbewerb  etc.?

Eine große Herausforderung – gerade im Bereich Energie – ist, dass wir es mit gewachsenen Strukturen zu tun haben. Der Vorteil ist, dass vieles kein Internet benötigt, um zu funktionieren. Der Nachteil ist, dass diese Systeme, wenn man sie dann doch zum Internet hin öffnet, unzureichend darauf vorbereitet sind. Daran wird natürlich schon gearbeitet, aber das bleibt eine große Herausforderung. Das größte Problem für kritische Infrastrukturen sind allerdings die unterschiedlichen Angreifer. Gegen den „klassischen“ Hacker können wir uns gut schützen. Doch bei einem „digitalen Schlachtfeld“ mit staatlichen Beteiligten und damit verbundenen finanziellen Ressourcen ist der Schutz der Infrastruktur immer schwieriger zu gewährleisten.

Kann die Blockchain ein Allheilmittel für sichere und zuver- lässige Transaktionen in der Zukunft sein? Wo sehen Sie konkrete  Anwendungsfälle?  Was  wären  die  Alternativen?

Wir müssen uns generell daran gewöhnen, bei allen Aktivitäten und Anwendungen der Digitalisierung den Sicherheitsaspekt von Anfang an mitzudenken. Im Moment überwiegt der „Convenience“-Gedanke, also was wird leichter und komfortabler durch digitale Anwendungen. Die Frage nach möglichem Missbrauch oder Angriffsflächen wird nicht kon- sequent gestellt. Ob Blockchain hier eine mögliche Lösung ist oder andere Technologien, ist dann sekundär.

Wie beurteilen Sie die Auswirkungen einer völlig digitalen Ökonomie auf die Gesellschaft und auf den Einzelnen?

Digitalisierung ist ein Werkzeug, mit dem wir gerade lernen umzugehen. Wir brauchen eine deutlich intensivere Diskussion über „digitale Ethik“, in dem Sinne, dass vermutlich nicht alles, was machbar ist, auch wünschenswert ist.

Wie resilient kann eine Demokratie sein, wenn theoretisch eine völlige Überwachung der Bürgerinnen und Bürger mittels moderner Technik (siehe China) möglich ist? Was erwarten Sie von der Verwaltung, um die positiven Aspekte der Digitalisierung nutzen zu können?

Unser Staats- und Demokratieverständnis ist ein deutlich anderes als etwa in China. Die staatlichen bzw. europäischen Institutionen geben bei uns den Rahmen vor, der sich dann in Rechts- vorschriften niederschlägt. Hier gilt es – wie in vielen anderen Bereichen auch eine kluge Balance zwischen nötigem Schutz, aber auch notwendigem individuellen Freiraum zu finden.