KI-Geschichte(n): Von der Kybernetik zur KI
20. Mai 2026
Die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz in Österreich reicht bis in 1960er Jahre zurück.
Die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz datiert auf Forschungen der 1960er Jahre im wissenschaftlichen Umfeld der Kybernetik und Systemforschung. Diese stark interdisziplinären Felder legten den Grundstein für eine Forschungstradition, die das Land bis heute prägt. Die frühe Systemforschung arbeitete an universellen Prinzipien, die in allen Systemen gelten. Sie arbeitete an Modellen und Simulationen in Netzwerken, deren algorithmische Beschreibungen komplexer Systeme die Grundlage für die Kybernetik boten.
Autonomes Handeln im Vordergrund
Die Kybernetik ging darüber hinaus, indem sie zur Beschreibung bereits die Steuerung von informationsverarbeitenden Systemen u. a. auch Maschinen vorantrieb. Autonomes Handeln stand im Vordergrund und das brachte im Sinne der Forschung an neuronalen Netzen die „symbolische“ Künstliche Intelligenz hervor, die auch heute noch ihren Beitrag in der aktuellen Entwicklung der KI leistet.
Eigenes Innovationsprojekt des BRZ
Als Beispiel kann die „bilaterale“ KI erwähnt werden, die in Österreich durch das große Forschungsprojekt BILAI adressiert wird, in dem Ansätze der symbolischen und subsymbolischen KI wissenschaftlich verknüpft werden. Das BRZ hat 2026 zu diesem Thema ein eigenes Innovationsprojekt etabliert, in dem die bilaterale KI in der automatisierten Erstellung formaler Regeln im Bereich der Unternehmensförderungen erprobt wird.
KI-Pioniere aus Österreich
Ein zentraler Schritt war 1969 die Gründung der „Österreichischen Studiengesellschaft für Kybernetik“ – maßgeblich geprägt von Univ. Prof. Dr. Robert Trappl und Univ. Prof. Dr. Francis de Paul Hanika. Trappl, der später das Institut für Medizinische Kybernetik an der Universität Wien leitete, widmete sich der Modellierung menschlicher und sozialer Systeme oder frühen Neuroinformatik. Hanika wiederum beeinflusste mit seiner Forschung die internationale Kybernetikszene.
Institutionalisierung von KI
1972 folgte die Etablierung der wissenschaftlichen Veranstaltungsreihe des „European Meeting on Cybernetics and Systems Research“, das sich rasch zu einer internationalen Leitkonferenz entwickelte. Mit der Gründung des „Österreichischen Forschungsinstituts für Artificial Intelligence“ im Jahr 1984 erhielt die heimische KI‑Forschung eine institutionelle Verankerung. Es wurde zu einem der bedeutendsten europäischen Forschungszentren für KI‑Grundlagen und angewandte KI.
Wissenschaftliche Umfeld prägt nachhaltig
Dieses wissenschaftliche Umfeld brachte in Österreich zahlreiche Forscher hervor, die das KI‑Ökosystem nachhaltig bis heute prägen: Darunter etwa Univ. Prof. Franz Pichler, Forscher im Bereich der mathematischen Systemtheorie, Dr. Paolo Petta, Experte für Agentensysteme, Dr. Harald Trost, Pionier der Computerlinguistik oder Dr. Brigitte Krenn, Spezialistin für kognitive Modelle künstlicher Agenten.
Förderung der Verwaltungsinformatik
Was die Verwaltungsinformatik betrifft, so galt etwa Bundeskanzler Dr. Josef Klaus als sehr Informatik-affiner Mensch. In seiner Amtszeit in den 1960er Jahren wurden IBM-360-Mainframes angeschafft, und dadurch der frühen Verwaltungsinformatik ein starker Anschub verpasst. So wurden diese unter anderem im Finanzministerium und im Bundeskanzleramt eingeführt. In Österreich entstand also früh ein Forschungsumfeld für KI, das interdisziplinär, international vernetzt und seiner Zeit oft voraus war und bis heute die Grundlage für innovative Entwicklungen in diesem Feld bildet.
