Aktuelle IT-Trends

IT-Trends 2014

Jedes Jahr beschäftigen sich unzählige Artikel in Zeitungen, Magazinen und Onlinemedien mit den aktuellen IT-Trends. Was erachten Expertinnen und Experten sowie die bekanntesten Marktforschungsunternehmen Gartner und Capgemini für essenziell? Die wichtigsten Trends im Überblick.

Die Ergebnisse der aktuellen Capgemini-Studie basieren auf einer Befragung von 141 Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern aus der IT-Branche. Fast 20 Prozent der Teilnehmer/innen arbeiten in österreichischen Unternehmen. Da die wirtschaftliche Lage gut ist, entwickeln sich die IT-Budgets heuer positiv. Deutsche CIOs erwarten Budgetsteigerungen, während sich die Lage in Österreich auf hohem Niveau stabilisiert.

Zu den Top-Themen des Jahres zählt gemäß der Capgemini-Studie Business Continuity. Für viele Branchen ist es überlebensnotwendig, dass Informationen und sensible Daten permanent verfügbar sind. Die Qualität des Business Continuity Managements ist ausschlaggebend für die Kreditwürdigkeit von Unternehmen und deren Einstufung als potenzieller Geschäftspartner. Business Continuity ist ein essenzieller Teil der Informationssicherheit.

Optimierung durch Virtualisierung

Virtualisierung ist die Basis einer zukunftsfähigen IT-Infrastruktur und deshalb schon seit Jahren ein wichtiges Thema. Ihre Bedeutung ist heuer noch einmal leicht gestiegen. Grund: Die Kostenoptimierungs- und Effizienzpotenziale im Infrastrukturbereich sind weitgehend ausgereizt und Virtualisierung ist eine der wenigen Technologien, mit denen sich noch weitere Optimierungen ermöglichen lassen. Hinzu kommt, dass die IT-Landschaft über Virtualisierung flexibler gestaltet werden kann. Außerdem kann mit ihrer Hilfe schneller auf neue Anforderungen reagiert werden.

Die Integration von Standard- und Individualsoftware ist 2014 ein bedeutendes Thema. Eine solche Integration schafft neue Impulse, weil sich in einer integrierten Anwendungsumgebung Prozesse neu miteinander verknüpfen lassen.

Collaboration-Tools immer wichtiger

Fast 60 Prozent der befragten Entscheidungsträger/innen gaben an, dass in ihren Unternehmen gerade eine Enterprise Collaboration-Plattform geplant wird oder sich eine solche bereits in der Implementierungsphase befindet. Daraus folgern die Studienautoren, dass in Zukunft mehr als 85 Prozent aller Unternehmen Plattformen für die Zusammenarbeit, den Informations- und Datenaustausch sowie für Projektmanagement im Einsatz haben werden. Diese Technologie hatte bereits im vergangenen Jahr stark an Bedeutung gewonnen und hat heuer noch einmal zugelegt.

Zum Aufsteiger des Jahres kürt Capgemini Machine-to-Machine-Kommunikation. Mit Technologien, die den automatischen Informationsaustausch zwischen Geräten ermöglichen, lassen sich nicht nur Anlagen oder Maschinen überwachen oder fernsteuern, sondern auch Geschäftsprozesse rationalisieren. Man kann etwa die Maschinen und Waren in Logistik- oder Produktionsketten vernetzen und so ganzen Industriezweigen einen automatischen Informationsaustausch ermöglichen. Ziel ist es mittels Machine-to-Machine-Kommunikation, neue und auch profitable Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Digitale Government-Strategien

Die Autoren der Capgemini-Studie konstatieren, dass das IT-Know-how in den Führungsetagen zunimmt. Folglich werden IT-Themen nun häufiger im Vorstand diskutiert. Dadurch sinkt der Stellenwert von CIOs. Fazit: Der Bedeutungsanstieg von Technologie führt nicht zwangsläufig dazu, dass auch der CIO für die Geschäftsleitung wichtiger wird. 

Ähnlich wird diese Entwicklung auch von Gartner eingeschätzt: „Die Gefahr ist in jedem Fall vorhanden, dass Investitionsentscheidungen zunehmend an der IT vorbei getroffen werden und der CIO irgendwann überflüssig erscheint.“ Mehr als 60 Prozent der staatlichen Organisationen, die derzeit einen CIO und einen Chief Digital Officer (CDO) beschäftigen, werden bis 2017 eine der beiden Rollen eliminieren. Zum Ausgleich könnten allerdings neue IT-Führungspositionen geschaffen werden. Diese sollen digitale Government-Strategien entwickeln und implementieren.

Social Media, Mobile und Cloud Computing

Gerade im Bereich Public IT sollten Entscheider/innen laut Gartner vorbeugend eine digitale Strategie konzipieren, die komplett mit der Geschäftsstrategie verzahnt ist. Zudem braucht es IT-Führungskräfte, die kommunikationsgeübt sind und einen Synergiemehrwert aus Social Networking, mobiler Kommunikation, Data Analytics und der Cloud for Government herausholen können.

Wenig überraschend setzt Gartner andere Themen als Capgemini. Als strategisch bezeichnet Gartner Technologien dann, wenn sie die kommenden drei Jahre lang maßgeblichen Einfluss auf Unternehmen bzw. Organisationen haben werden. Übergreifende Trends mit großem Einfluss bleiben laut Gartner im kommenden Jahr Social Media, Mobile und Cloud Computing. Aber es gibt auch noch andere Themen, mit denen sich Unternehmen bzw. Organisationen nach Ansicht der Analysten befassen sollten. 

Bring Your Own Device umstritten

Während Bring Your Own Device (BYOD) von Capgemini auf Grund des niedrigen Umsetzungsgrades zu den Flops des Jahres gezählt wird, gehört BYOD für Gartner zu den Trends. Immer mehr Mitarbeiter/innen nutzen eigene Hardware für ihre berufliche Tätigkeit. Das führe zu einer Verdopplung oder sogar Verdreifachung der Zahl mobiler Arbeitskräfte. Unternehmen müssen ihre Richtlinien zur Nutzung privater Geräte am Arbeitsplatz gründlich überarbeiten und erweitern. Der Spagat zwischen Flexibilität und Datenschutz muss gelingen.

Genau hier sieht Capgemini das Problem und den Grund für die mäßige Begeisterung der Unternehmen für BYOD. Um etwaige Sicherheits- und Supportprobleme zu umgehen, werden viele CIOs in Betracht ziehen, Mitarbeiter/innen mit firmeneigenen Geräten auszustatten. Zumal die Preise für Smartphones und Tablet-PCs in den letzten Monaten stark gesunken sind. Auf diese Weise können sie die Nutzungsregeln bestimmen und müssen keinen Support für verschiedene Plattformen und Hersteller leisten.

Standard HTML5 wird vorangetrieben

Der Einsatz einer Vielzahl unterschiedlicher Geräte macht es notwendig, dass Benutzeroberflächen für Applikationen so entwickelt werden müssen, dass sie – egal mit welchen Device verwendet – problemlos funktionieren. Die stärkere Leistungsfähigkeit von JavaScript Performance wird Gartner zufolge den Standard HTML5 weiter vorantreiben. Im Zuge dessen werden Internet-Browser zur herkömmlichen Entwicklungsumgebung für Applikationen.

Ein weiterer Gartner-Trend ist das Internet der Dinge. Neben PCs, Smartphones und Tablets werden künftig auch andere Geräte sowie Gebrauchsgegenstände wie Autos oder Fernseher mit dem Internet verbunden sein. Allerdings stehen viele Unternehmen und Technologieanbieter noch ganz am Anfang. Die Gartner-Analysten warnen davor, nur das Internet der Dinge im Fokus zu behalten. Auch das Netz der Menschen, der Informationen und das der Orte sollten berücksichtigt werden.

Hybride Cloud-Dienste im Kommen

Die Cloud wird, so Gartner, zum wichtigsten Datenmanager. Der Trend geht weg von zentralen Geräten wie herkömmlichen PCs hin zu Serviceleistungen für mobile Endgeräte. Der zukünftige User ist mit mehreren Geräten verbunden, wobei die Cloud dabei die Rolle des Datenmanagers übernimmt. Für Unternehmen bzw. Organisationen wird es außerdem zum Muss, Dienste einer Private Cloud mit Angeboten externer Clouds zu verknüpfen. Wenn sie private Cloud-Dienste entwerfen, sollten Unternehmen immer mögliche hybride Szenarien im Kopf haben, um künftig eine einfache Integration möglich zu machen.

Cloud Computing Broker Services für die Zusammenstellung hybrider Cloud-Dienste wird bis zum Jahr 2015 als größter Markt im Bereich Cloud Services prognostiziert. In der Capgemini-Studie wird festgehalten, dass sich die Kapazitäten von unternehmenseigenen Clouds in den vergangenen Monaten fast verdoppelt haben. Der sprunghafte Anstieg ist auf das erhöhte Angebot von Services aus der eigenen Cloud zurückzuführen. Der Public Cloud oder Services von Dritten stehen CIOs aber immer noch skeptisch gegenüber: Ihr Nutzungsgrad liegt im Durchschnitt bei lediglich etwas mehr als vier Prozent der Gesamtleistung der IT.

Big Data: Ungebremste Datenflut

Informations- und Kommunikationstechnologien haben fast alle Lebens- und Geschäftsbereiche durchdrungen. Eine unweigerliche Folge dessen ist Big Data. Bei Apps wurde die Analyse von erzeugten Daten bislang eher stiefmütterlich behandelt. Im Fokus stand häufig nur die Funktionalität. Das ändert sich mit dem Internet der Dinge. Damit wächst die erzeugte Datenmenge explosionsartig.

Für Datenmengen, die bei großen Unternehmen in Zukunft leicht Terabytes und Pentabytes umfassen können, sind neue Verfahren, Algorithmen und Prozesse hinsichtlich Verwaltung, Verarbeitung, Analyse und Verteilung erforderlich. Big Data erweitert klassische Business-Analytics-Anwendungen. Eine detaillierte und handlungsorientierte Analyse von riesigen Mengen kontext- und ortsabhängiger Daten rückt in den Mittelpunkt. Nur so lässt sich ein Mehrwert aus der Fülle an Informationen generieren.

Ein interessanter Aspekt ist, dass neue Technologien oft deshalb nicht bei den aktuellen Trends aufscheinen, weil aus mangelnder Erfahrung damit deren Bedeutung schlecht abgeschätzt werden kann. Wenn die Testläufe abgeschlossen sind, wird die Einschätzung realistischer und verändert sich dementsprechend positiv oder negativ. 2014 gehören zu dieser Gruppe zum Beispiel die Optimierung von Prozessen mit Hilfe von Big Data oder Social Media-Integration.

Geringe Bedeutung wird auch Technologien beigemessen, die sich im Alltag bereits etabliert und bewährt haben. Beispiele dafür sind z. B. Green IT oder Open Source Software. Im Gegensatz dazu gibt es ältere Technologien und Themen wie Virtualisierung und die Integration von Standard- und Individualsoftware, die fast jedes Unternehmen nutzt beziehungsweise durchführt. Sie schaffen immer noch so viele Vorteile, dass CIOs sie jedes Jahr erneut auf die Spitzenplätze wählen.