Zukunftswerkstatt: IKT als Motor für Innovation

Digitale Transformation - Schmetterling als digitales Netzwerk

Durch den Einzug von PCs in die „Amtsstuben“ kam es zu einem Wandel, zu einer digitalen Transformation: weg vom Staat als Verwalter – hin zum Staat als Dienstleister. Das BRZ gestaltete mit dem Bundesministerium für Finanzen (BMF) am Zukunftskongress Staat & Verwaltung in Berlin erstmals eine Zukunftswerkstatt zum Thema „Digitale Transformation“. SC Dr. Gerhard Popp (BMF), DI Roland Jabkowski (BRZ) und Dr. Johann Füller (Universität Innsbruck) referierten jeweils ihre Sichtweise zum Thema. 

IKT aus der Sicht der Verwaltung

Die Verwaltung kann sich nicht abkoppeln, wenn es darum geht, gesellschaftliche Entwicklung in Verbindung mit Neuerungen in der IKT zu begleiten, betont SC Dr. Gerhard Popp in seinem Vortrag „Digitale Transformation aus Sicht der Verwaltung“. Die Wettbewerbsfähigkeit der Verwaltung stellt einen wichtigen Standortfaktor dar und sie ist bei der Transformation in den Bereichen Bildung, Forschung, Finanzierung, Infrastruktur und Sicherheit mehr als gefragt. Die Innovationsfähigkeit unserer Gesellschaft hängt stark von der Fähigkeit ab, wie wir künftig neue Technologien antizipieren. E-Government soll als Teil einer nationalen Wachstums- und Innovationsstrategie verstanden werden. 

Die Sicht des IT-Dienstleisters

DI Roland Jabkowski ist überzeugt, dass der öffentliche Bereich innovativ ist und sich aktuellen Herausforderungen stellt. Für den BRZ-Geschäftsführer hat Innovation im öffentlichen Bereich Österreich zu einem Vorreiter im E-Government gemacht. In seinem Impulsstatement „Digitale Transformation aus Sicht eines Verwaltungs-IT-Dienstleisters“ beschreibt er anhand der Geschichte des BRZ die Entwicklung der Verwaltungs-IT in Österreich. 

Die Gründung der BRZ GmbH im Jahr 1997 und eine neue IT-Strategie Österreichs Anfang 2000 sollten zur Vereinheitlichung der heterogenen IT-Landschaft des Bundes beitragen. Elektronische  Basisdienste (z.B. digitale Amtssignatur) und Querschnittsanwendungen wie der „Elektronischer Akt im Bund“ unterstützen die Verwaltung und machen diese noch effizienter. Aber der  Einsatz von IT hilft auch beim Sparen: Durch Standardisierung, Konsolidierung und Bündelung konnte das BRZ im Rahmen des Strategieprogramms „More for Less“ die IT-Kosten seiner Kunden maßgeblich senken.

Die Erfolgsgeschichte hat auch Schattenseiten. 2012 wird dem BRZ im IKT-Konsolidierungsgesetz eine Schlüsselrolle zugeschrieben. Dennoch ist das Gesetz, das den verstärkten Einsatz von einheitlichen und damit kostengünstigeren IT-Lösungen fördern soll, aufgrund fehlender Verordnungen für die Ministerien nicht verbindlich. Um die Kosten für Verwaltungs-IT zu reduzieren und diese dennoch weiter entwickeln zu können, braucht es verbindliche Standards und Prozesse. Daneben bedarf Innovation, die zur digitalen Transformation führt, vor allem Zusammenarbeit. Strategische Kooperationen innerhalb der Verwaltung aber auch mit der Privatwirtschaft – sowohl national wie international – tragen zum Erfolg des BRZ bei.

Open Innovation in Politik und Verwaltung

In seinem Vortrag „Open Innovation in Politik und Verwaltung“ macht Univ.-Prof. Dr. Johann Füller deutlich, dass Innovation eine zentrale Rolle für die Wettbewerbsfähigkeit spielt. Durch den Einsatz und die Möglichkeiten von IKT ergeben sich für ihn völlig neue Ansätze der Vernetzung, Kollaboration und Innovation. Die Nutzung der Masse – Stichwort: „kollektives Gedächtnis“ – zur Bewältigung bestimmter Aufgabenstellungen erlaubt es, neue erfolgreiche Innovationen kostengünstig und mit geringem Risiko erfolgreich voranzutreiben. Viele Ansätze und Vorgehensweisen, die sich in der Industrie und Privatwirtschaft bereits etabliert haben, werden in Zukunft auch in der Verwaltung Einzug halten.

Zukunftskongress Berlin - Zukunftswerkstatt Diskussionsrunde Die Referenten diskutieren gemeinsam mit den Werkstatt-Teilnehmer/innen über Innovation im öffentlichen Bereich. Bild vergrößern

Die Verwaltung als „Serviceagentur“

Anschließend diskutierten die Werkstatt-Teilnehmer/innen gemeinsam mit den Referenten die erörterten Themen. Die Diskussion war mithilfe eines moderierten Brainstormings in eine Kritikphase, Phantasiephase und Realisierungsphase gegliedert. Alle waren sich einig, dass Innovation für den öffentlichen Bereich ein wichtiger Faktor ist, der die Wettbewerbsfähigkeit eines Staates erhält und diesen auch attraktiv für Bürger und Unternehmer macht. Es stellt sich jedoch die Frage, ob der Staat Innovator der ersten Stunde sein soll, da digitale Neuerungen nicht automatisch Verwaltungskosten senken. Die meisten Teilnehmer/innen wünschen sich die Verwaltung als „Serviceagentur“. Um diesen Wunsch umzusetzen, ist allerdings eine neue, offenere und transparentere, Kommunikationskultur notwendig. Nur so kann das Vertrauen der Bürger/innen gewonnen werden.

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