E-Government-Vorbild Estland

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In der baltischen Republik unterstützen IT-Anwendungen alle Lebensbereiche. Estland gilt als E-Government-Vorzeigestaat. Im Juni besuchten Euritas-Vertreter/innen aus Österreich, Deutschland, Italien, Dänemark und den Niederlanden das EU-Land an der Ostsee, um von Best Practices zu lernen.

IKT-Dienstleister der öffentlichen Verwaltung agieren europaweit in einem ähnlichen Arbeitsumfeld. Aufgrund vergleichbarer Rahmenbedingungen ergeben sich gemeinsame Herausforderungen, die kooperativ effizienter bewältigt werden können. Vor diesem Hintergrund wurde 2007 unter anderem auf Initiative des BRZ die „Allianz der europäischen Verwaltungs-IT-Dienstleister“ (Euritas) gegründet.

Die Euritas-Mitglieder vereinen internationale Expertise über Informations- und Kommunikationstechnologie sowie fundierte Kenntnisse der öffentlichen Verwaltung. Dieses Wissen ermöglicht den europaweiten Austausch von Know-how und Best Practices. Ein solcher Erfahrungsaustausch fand Mitte Juni in Tallinn, Estland, statt.

Euritas-Vertreter/innen beim Erfahrungsaustausch in Tallinn, Estland Euritas-Vertreter/innen aus Österreich, Deutschland, Italien, Dänemark und den Niederlanden beim Erfahrungsaustausch in Tallinn, Estland. Bild vergrößern

IT erspart Behördenwege

Seit 1997 wird in Estland unter dem Motto „Internet vereinigt Menschen, nicht Computer“ die Digitalisierung des öffentlichen Lebens vorangetrieben. Und seitdem gilt: Laptop statt Aktenordner, Dateien statt Papierberge, Mobiltelefone statt Festnetz. In Estland nutzen 80 von 100 Einwohner/innen das Internet. In Schulen und öffentlichen Einrichtungen erreicht der Verbreitungsgrad des Internets sogar bis zu 100 Prozent.

Laut internationaler Rankings gehört Estland zu den führenden Ländern im Bereich E-Government. Die 1,3 Millionen Einwohner/innen können mittels Heim-PC oder Smartphone Amtswege erledigen, wofür Bürger/innen vieler anderer Länder bei Behörden persönlich vorbeikommen müssen. Das zentrale staatliche Internetportal bietet Zugang zu hunderten IT-Lösungen der öffentlichen Verwaltung. Ob Abfragen bei Registern, die Steuererklärung oder die persönliche Gesundheitsakte - alles ist mit nur einem Klick zu erledigen.

Staat geht mit gutem Beispiel voran

Die sichere Nutzung wird durch einen elektronischen Ausweis garantiert, den nahezu alle Estinnen und Esten besitzen. Dieser dient einerseits als Personalausweis und ermöglicht andererseits die Feststellung der Identität im Internet.

Seit 2005 kann die estnische Bevölkerung als erste in Europa sogar über das Internet wählen. Der Pilotversuch fand bei lokalen Wahlen statt, zwei Jahre später wurde E-Voting bereits bei Parlamentswahlen eingesetzt.

Die Akzeptanz von E-Government ist in Estland sehr hoch. Kein Wunder, denn der Staat geht mit gutem Beispiel voran. Die „papierlose Regierung“ ist seit der Jahrtausendwende Wirklichkeit. Alle Abgeordneten können ihre eigenen mobilen Endgeräte im Parlament nutzen. Ein Informationssystem namens e-Cabinet verwaltet alle benötigen Informationen. Die Kabinettssitzungen dauern daher heute nur mehr zwischen 30 und 90 Minuten. Früher mussten die Abgeordneten mindestens vier bis fünf Stunden einplanen. Für die Bürger/innen besteht die Möglichkeit, die Parlamentsunterlagen per Web einzusehen und sogar die Sitzungen live mitzuverfolgen. Diese im Land gelebte Transparenz wird von den Bürger/innen sehr geschätzt - In Estland ist alles mit einem Mausklick ersichtlich!

Euritas-Portal
Estlands zentrales Internetportal

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