E-Government Konferenz: Zukunft heisst Kooperation

DI Roland Jabkowski (BRZ), Mag. Christine Sumper-Billinger (BRZ) und SC Dr. Gerhard Popp (BMF)

Rund 400 Gäste nahmen am 3. Dezember 2013 an der E-Government Konferenz des BRZ teil. Gemeinsam mit Kunden und Partnern wurden Erfolge und Best Practices behörden-übergreifender Zusammenarbeit präsentiert. Fazit der Veranstaltung: Kooperative Prozesse sind ein wichtiger Erfolgsfaktor, um die aktuellen Herausforderungen an die Verwaltungs-IT bestmöglich zu meistern.

Gleich zu Beginn der E-Government Konferenz in der Wiener Hofburg erklärte BRZ-Geschäftsführer DI Roland Jabkowski, wieso für die Veranstaltung das Motto „Zukunft heißt Kooperation“ gewählt wurde: „Dieser Titel beschreibt für mich sehr treffend, was die IT-Branche in ihrem Nachdenken über die Zukunft derzeit bewegt.“ 

DI Roland Jabkowski (BRZ): „Kooperation und Konkurrenz müssen kein Widerspruch sein.“ DI Roland Jabkowski (BRZ): „Kooperation und Konkurrenz müssen kein Widerspruch sein.“ Bild vergrößern

Eine der Schlüsselfragen, die sich im Zeitalter der immer weiter voranschreitenden Vernetzung stellt: Wie sollen Unternehmen, ihre Mitarbeiter/innen, Kunden, Partner und auch Konkurrenten in Zukunft zusammenarbeiten? Kooperation und Konkurrenz müssen kein Widerspruch sein. Ziel eines „kooperativen Ansatzes“ ist mehr Offenheit und mehr Transparenz. „Wenn alle Beteiligten Vorteile daraus ziehen, werden sich am Ende alle als Gewinner fühlen.“

Abschließend erinnerte Roland Jabkowski in seiner Eröffnungsrede noch an die Vorreiterrolle, die Österreich im Bereich der digitalen Verwaltung innehat: „Sie alle – unsere Kunden und unsere Partner – haben dazu beigetragen, die österreichische Verwaltung im E-Government, und damit bei der Servicequalität für die Wirtschaft, für die Bürgerinnen und Bürger, an die Europaspitze zu bringen. Diesen Platz möchten wir behaupten. Das geht nur gemeinsam.“        

IKT unterstützt moderne Verwaltung

SC Dr. Gerhard Popp (BMF) über das enorme Potenzial von E-Government. SC Dr. Gerhard Popp (BMF) über das enorme Potenzial von E-Government. Bild vergrößern

In seinen Grußworten betonte SC Dr. Gerhard Popp, Bundesministerium für Finanzen (BMF), dass eine moderne Verwaltung ohne den Einsatz von IKT undenkbar ist. E-Government hat ihm zufolge enormes Potenzial. Ein konkretes Beispiel dafür ist FinanzOnline mit bereits rund 3,4 Millionen Usern. Allein im vergangenen Jahr kamen weitere 200.000 Nutzer/innen dazu. „Als nächster Schritt folgt die e-Rechnung, von der die heimische Wirtschaft enorm profitieren kann. Eine Studie der Wirtschaftskammer Österreich hat ein Einsparungspotenzial von bis zu rund 9 Milliarden Euro jährlich im Bereich B2B errechnet“, gab Gerhard Popp einen Ausblick.                   

Vorreiterrolle in Europa

Die Umsetzung von E-Government-Lösungen ist hierzulande sehr gut. Nicht umsonst hat Österreich eine Vorreiterrolle innerhalb der EU. Um auch in Zukunft vorne zu liegen, so Gerhard Popp, darf man sich nicht auf den Erfolgen ausruhen. Kooperative Ansätze zwischen den Ressorts und auch zwischen Bund und Ländern sind vorhanden, dennoch müssen diese noch gestärkt werden. „Jeder Österreicher soll die Möglichkeit haben, mit der Verwaltung digital zu kommunizieren“, skizzierte er abschließend seine Vision.

Soziale Netze als Herausforderung

In einem kurzen Interview mit der Moderatorin Daniela Philipp-Sabelko erläuterte Mag. Georg Schöppl, Vorstand der Österreichischen Bundesforste AG und Aufsichtsratsvorsitzender des BRZ, den Einfluss, den die sozialen Netze auf Berufs- wie Privatleben haben. „Jeder Mensch kann heute zu jeder Zeit alles, was ihn bewegt, sehr einfach mit einer breiten Öffentlichkeit teilen“, betonte er. Die Herausforderung für Unternehmen und Institutionen ist es, den digitalen Diskurs in sozialen Netzen im Auge zu behalten und aktiv mitzugestalten. „Wir benötigen einen Radar, der uns zeigt, was laufend in den Netzen passiert und Werkzeuge, um rasch reagieren zu können“, so Georg Schöppl.

Ressortübergreifender Round Table

Der kooperative Ansatz und dessen Auswirkungen wurden auch beim Round Table "Zukunft heißt Kooperation: Herausforderungen für die Verwaltungs-IT" diskutiert. BL Mag. Heidrun Strohmeyer, Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (BMUKK), betonte, dass die ersten kooperativen Beteiligungsplattformen im Bereich Bildung und Schule bereits im Jahr 2003 entwickelt wurden – lange vor dem so genannten Facebook-Zeitalter. Es geht daher auch nicht um ein virtuelles Klassenzimmer auf Facebook.

Medienkompetenz ist gefragt

Für Mag. Heidrun Strohmeyer (BMUKK) ist IT ein Querschnittsthema über alle Ressortgrenzen hinweg. Für Mag. Heidrun Strohmeyer (BMUKK) ist IT ein Querschnittsthema über alle Ressortgrenzen hinweg. Bild vergrößern

Zentrale Ziele sind, mehr Medienkompetenz zu vermitteln und Möglichkeiten der Beteiligung in Lernprozesse zu integrieren. „Die Angebote des Ministeriums werden von den Lehrerinnen und Lehrern gut angenommen – 80 % der Bundesschulen nutzen heute beispielsweise Werkzeuge wie die Plattform Moodle“, erläutert Heidrun Strohmeyer. „Die Frage lautet: Wie kann IKT den Unterricht spannender machen und gleichzeitig die Qualität steigern.“ Heidrun Strohmeyer machte deutlich, dass IT ein Querschnittsthema über alle Ressortgrenzen hinweg ist. Das BRZ ist dabei ein verlässlicher Partner, ohne den die Entwicklung und Umsetzung dieser zukunftsweisenden IKT-Projekte nicht möglich ist.                     

Finanzamt im Web 2.0 sehr beliebt

Äußerst beliebt ist das Finanzministerium – zumindest auf Facebook, wo es über 23.000 Fans hat. Das überrascht sogar SC Dr. Gerhard Popp (BMF), der diese Popularität dafür nützen möchte, Verständnis für Finanzthemen zu wecken. „Wir nutzen auf Facebook die Möglichkeit, unseren Usern ein Grundverständnis im Bereich Finanzen zu vermitteln. Das ist etwas, worüber jeder Bürger Bescheid wissen sollte”, so Gerhard Popp. „Ergänzend dazu stellen wir auch andere Webtools zur Verfügung. ‘Finanz-Vifzack‘ ist etwa eine App, die Finanzwissen einfach erklärt und 10 bis 14-Jährige für die späteren Anforderungen in der Finanzwelt vorbereiten soll.“

Studienabschlüsse online nostrifizieren

SC Dr. Elisabeth Freismuth (BMWF) stellte einen Best Case für effizientes E-Government vor. SC Dr. Elisabeth Freismuth (BMWF) stellte einen Best Case für effizientes E-Government vor. Bild vergrößern

Einen Best Case für effizientes E-Government stellte SC Dr. Elisabeth Freismuth, Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (BMWF), mit dem Anerkennungs-, Antrags- und Informationssystem (AAIS) vor. Dabei geht es um die Anerkennung von ausländischen Studienabschlüssen. „Früher war dazu der Weg ins Amt notwendig, heute kann der gesamte Antrag in einem einfachen ‚One Stop‘-Shop online erledigt werden. Gerade für Menschen, die im Ausland leben, ist das natürlich sehr viel praktischer. Nicht zuletzt deshalb ist die Akzeptanz des neuen Systems sehr hoch. AAIS ist seit Juli 2013 im Einsatz und schon jetzt erhalten wir bereits 99 % aller Anträge online“, so Elisabeth Freismuth.                    

Mit Kooperation zu gemeinsamen Lösungen

SC Dr. Clemens Martin Auer: "ELGA steigert die Behandlungsqualität." SC Dr. Clemens Martin Auer: "ELGA steigert die Behandlungsqualität." Bild vergrößern

SC Dr. Clemens Martin Auer, Bundesministerium für Gesundheit (BMG), gab einen Einblick aus dem Bereich Gesundheitswesen: „Der Gesundheitsbereich ist extrem fragmentiert, ‚Top Down‘-Lösungen sind hier unmöglich. Damit Lösungen erarbeitet werden können, müssen wir ganz klar auf Kooperation setzen.“ Ein Beispiel dafür ist der Elektronische Gesundheitsakt (ELGA). Hier konnte die heterogene Welt der Gesundheitsdienste-Anbieter integriert werden.

ELGA: praktisch und effizient

„Nicht mehr der Patient ist ‚Datenträger‘ und muss beispielsweise mit einem Röntgenbild von einem Arzt zum anderen gehen – die Inhalte sind alle digital zusammengeführt und abrufbar.“ Das ist nicht nur praktisch und effizient, sondern auch sicherer und steigert die Behandlungsqualität. Auer strich die E-Government-Vorreiterrolle Österreichs im Gesundheitsbereich hervor und betonte, dass dies vor allem durch einen innovativen und zuverlässigen IT-Partner wie dem BRZ möglich ist.

Daten laufen – nicht Personen

SC Hermann Feiner (BMI) Personenbasisregister sind der Schlüssel für E-Government. SC Hermann Feiner (BMI) Personenbasisregister sind der Schlüssel für E-Government. Bild vergrößern

„Die  Personenbasisregister sind der Schlüssel für E-Government und die Basis für Verwaltungsreformen in der Gegenwart und in der Zukunft“, betont SC Hermann Feiner, Bundesministerium für Inneres (BMI). Ab 01.11.2014 wird mit dem Zentralen Personenstandsregister das wichtigste Personenregister Österreichs allen Gebietskörperschaften online zur Verfügung stehen. Den grundlegenden Gedanken drückt er pointiert aus: „Wir lassen die Daten laufen – nicht die Personen“. Interministerielle, bundes-übergreifende und internationale Zusammenarbeit ist, so Hermann Feiner, eine Notwendigkeit.                  

Justiz 3.0 wird Realität

Dr. Martin Schneider (BMJ): „Aktuell wird am Projekt Justiz 3.0 gearbeitet“ Dr. Martin Schneider (BMJ): „Aktuell wird am Projekt Justiz 3.0 gearbeitet“ Bild vergrößern

„Wir haben in Österreich bereits 1990 den elektronischen Rechtsverkehr eingeführt. Damit haben wir in Europa eine Vorreiterrolle eingenommen und sind auch heute noch führend“, betonte Dr. Martin Schneider, Bundesministerium für Justiz (BMJ). Aktuell wird am Projekt „Justiz 3.0 gearbeitet“. Dabei handelt es sich um den künftigen Arbeitsplatz des Richters und anderer Mitarbeiter/innen der Justiz. Schlagworte dabei sind Arbeiten "besser als mit Papier", Visualisierung von Inhalten, Recherche, Collaborations-Tools, mobiles Arbeiten oder der elektronische Verhandlungsaal.                  

Transparenz stärkt Demokratie

Intelligenter Einsatz von IKT stärkt Demokratie meint SC Dr. Manfred Matzka (BKA). Intelligenter Einsatz von IKT stärkt Demokratie meint SC Dr. Manfred Matzka (BKA). Bild vergrößern

Für SC Dr. Manfred Matzka, Bundeskanzleramt (BKA), bringt der Einsatz von IKT nicht nur Service für die Bürger/innen, sondern vor allem auch Möglichkeiten der Partizipation. Offenheit und Transparenz der Verwaltung bilden dafür die Basis. Durch den intelligenten Einsatz von IKT kann die Demokratie gestärkt werden. „Es gilt Kooperationsbeziehungen mit Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen aufzubauen und deren Know-how und Inputs im Sinne von Crowdsourcing zu nützen“, so Manfred Matzka.

                    Themeninseln und Expertendiskussionen

Gemeinsam mit seinen Kunden zeigte das BRZ bei acht so genannten Themeninseln erfolgreiche Beispiele von gelebter Zusammenarbeit. Bei „Behördenübergreifende Best Practices“ wurde etwa das Bundes-Content-Management-System präsentiert. Im Bereich „Bildung, Wissenschaft und Forschung“ standen ein E-Service für Nostrifizierungen und die Bildungsevidenz-Datenbank im Mittelpunkt. Bei der Insel „Bundeskanzleramt“ konnte man sich unter anderem über Open Government Data (OGD) oder HELP.gv.at informieren. Das Unternehmensserviceportal, die e-Rechnung oder das Kontrollsystem Automatenglücksspiel waren Schwerpunkte der „Finanz“. Das laufende Projekt „Justiz 3.0“ war am „Justiz“-Stand im Fokus. Im Bereich „Gesundheit“ wurden etwa das Gesundheitsportal und der Gesundheitsdiensteanbieter-Index vorgestellt.

Von A-SIT bis Euritas

Gemeinsam mit seinen Kunden zeigte das BRZ erfolgreiche Beispiele behördenübergreifender Zusammenarbeit. Gemeinsam mit seinen Kunden zeigte das BRZ erfolgreiche Beispiele behördenübergreifender Zusammenarbeit. Bild vergrößern

Die Organisationen Kuratorium Sicheres Österreich (KSÖ), der CERT-Verbund und das Zentrum für sichere Informationstechnologie (A-SIT) waren am Stand „Sicherheit“ präsent. Europaweite Cloud-Angebote oder die Allianz der europäischen Verwaltungs-IT-Dienstleister (Euritas) waren im Bereich „International“ Themen. Vorträge und Round Table-Diskussionen sowie die Partnerlounges informierten etwa zu Cyber-Sicherheit, Big Data oder Cross-Border-Kooperationen. 

Logische Folge der Industrialisierung

Mag. Christine Sumper-Billinger (BRZ): „Kooperation ist der Baustein zur Erhöhung von Effizienz.“ Mag. Christine Sumper-Billinger (BRZ): „Kooperation ist der Baustein zur Erhöhung von Effizienz.“ Bild vergrößern

BRZ-Geschäftsführerin Mag. Christine Sumper-Billinger ging in ihren Schlussworten noch einmal auf den Titel der Konferenz „Zukunft heißt Kooperation“ ein. Auch sie machte deutlich, dass die Herausforderungen, vor denen das BRZ und seine Kunden stehen, nur durch einen kooperativen Ansatz bewältigt werden können: „Kooperation ist die logische Folgerung der Industrialisierung, denn Kooperation ist der Baustein zur Erhöhung von Effizienz.“ Mit einem Zitat von Henry Ford beendete Christine Sumper-Billinger den offiziellen Teil der Veranstaltung: „Zusammenkommen ist ein Beginn, Zusammenbleiben ist ein Fortschritt, Zusammenarbeiten ist ein Erfolg.“

Fotos von der E-Government Konferenz