OKCon 2013: Open Data gehört die Zukunft

Poster OKCon 2013

Von „Open Government“ bis „Open Geodata” reichte die Vielfalt an Themen, die bei der diesjährigen Open Knowledge Conference (OKCon) in Genf behandelt wurden. Fakt ist: Das Potenzial von Open Data ist groß, kann aber erst mittels einheitlicher internationaler Standards ausgeschöpft werden.

Letzten Herbst suchten die Donau-Universität Krems und futurezone.at die besten Ideen für die Verwaltung der Zukunft. Das Siegerprojekt „Graz Government Transparency (GGT)“ wurde von vier Studenten der FH Joanneum eingereicht. GGT ist eine App, die politische Informationen – etwa freigegebene Gemeinderatsprotokolle – zur Verfügung stellt. Die Gewinner des Wettbewerbs „eGovernment 2027“ wurden im Rahmen des BRZ Kundenevents 2012 prämiert. Der erste Preis war eine Reise zur „Open Knowledge Conference“ in Genf. Georg Felgitsch, einer der Gewinner, beschreibt für den BRZ-Newsletter seine Eindrücke von der internationalen Fachkonferenz. 

Ein Gewinner berichtet

Zur Open Knowledge Conference (OKCon) in der Schweiz reisten rund 900 Teilnehmer/innen – Vertreter/innen von Universitäten, staatlichen Verwaltungsbehörden und Firmen – aus der ganzen Welt an. Die diesjährige Konferenz stand unter dem Motto „Open Data – Broad, Deep, Connected“.

Die präsentierten Themenfelder können grob in die folgenden Kategorien eingeteilt werden: „Open Government“, „Open Development“, „Open Science & Research“, „Open Culture“, „Open Education“, „Open Transport Data“, „Open Geodata“ und „Technologien zur Umsetzung“. Da wir uns im Zuge unserer bisherigen Projekte eher mit Open Data im Verwaltungsbereich beschäftigt haben, wurde unser Spektrum rasch erweitert.

Gemeinsam Lösungen erarbeiten

Im Rahmen von Workshops wurde in kleinen Gruppen an verschiedenen Problemstellungen gearbeitet. (Bild: Open Knowledge Foundation) Im Rahmen von Workshops wurde in kleinen Gruppen an verschiedenen Problemstellungen gearbeitet. (Bild: Open Knowledge Foundation) Bild vergrößern

Verteilt über drei Tage fanden über 50 Vorträge, Talks, Diskussionen, Workshops und ein Hackathon zu den verschiedenen Themenfeldern statt. Bei den Workshops wurde in kleinen Gruppen für zwei bis drei Stunden gemeinsam an verschiedenen Problemstellungen gearbeitet. So haben wir in einer Gruppenarbeit etwa nach diversen Lösungen für Datenvisualisierungen gesucht. 

In einem anderen Arbeitskreis wurde das Open Source Web Framework CKAN, das auch in Wien, Graz oder Linz als Content Management System zur Verwaltung und Bereitstellung von Datensätzen dient, präsentiert und vertiefend erklärt. Beim Hackathon wurde während der gesamten Konferenz an Möglichkeiten zur grafischen Visualisierung und an der Vereinfachung der Verständlichkeit von Gesetzestexten gearbeitet.

OGD noch in den Kinderschuhen  

Vor allem in dem uns vertrauten Bereich Open Government Data (OGD) konnten wir bei verschiedenen Vorträgen einige spannende Erfahrungsberichte über die Probleme und Vorgehensweisen zur Bereitstellung von Verwaltungsdaten in anderen Ländern hören. International gesehen gibt es dabei oft die gleichen Probleme wie in Österreich. 

Da die Open Data-Initiative noch am Anfang steht, sind viele Daten teilweise nur unvollständig vorhanden und stehen oft nur sehr unstrukturiert, wie zum Beispiel in Form von riesigen unüberschaubaren Text- oder Excel-Dateien, zur Verfügung. Entwickler müssen oft um die Bereitstellung und Verfügbarkeit bestimmter Daten kämpfen.

Neuseelands „Data Champions

Zur OKCon reisten rund 900 Teilnehmer/innen aus der ganzen Welt an. (Bild: Ewan Klein) Zur OKCon reisten rund 900 Teilnehmer/innen aus der ganzen Welt an. (Bild: Ewan Klein) Bild vergrößern

Dem ist natürlich entgegenzuhalten, dass bei vielen öffentlichen Einrichtungen die technische sowie personelle Infrastruktur zur Bereitstellung der Daten erst im Aufbau sind. Neuseeland verfolgt dabei einen interessanten Ansatz. Laut Paul Stone vom Ministry for Culture and Heritage wurden in jedem Ministerium und in einigen kleineren Verwaltungseinheiten sogenannte „Data Champions“ eingestellt. 

Die Aufgabe dieser Personen ist es, als Schnittstelle zwischen den Datenanbietern und den Konsumenten, also Entwicklern oder Firmen, zu vermitteln. Dem liegt die Überlegung zugrunde, dass es bei der Offenlegung von Daten wichtig ist, auch einen Dialog mit den Konsumenten zu führen. Somit können deren Wünsche so weit wie möglich beachtet werden. Diese Maßnahme soll die Nutzung der Daten steigern.

Einheitliche Standards nötig

Dirk Helbing, ein Soziologe an der ETH Zürich, bezeichnet die derzeitige Situation was Open Data betrifft als „Paradigmenwechsel für die Gesellschaft“. Der Gedanke, Daten der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen, widerspricht unserer bekannten Verhaltensweise, Daten als Eigentum und Ressource zu betrachten. 

Durch die gemeinsame Nutzung und sinnvolle Verknüpfung der Daten ist es nämlich erst möglich, Probleme auf eine neue Art kollektiv zu lösen. Dafür braucht es aber einheitliche Standards und Lizenzmodelle für die Nutzung. Zurzeit gibt es noch zu viele unterschiedliche Standards, die auch international nicht kompatibel sind. Eine Aufgabe, für die sich etwa die Global Open Data-Initiative einsetzt.

Interessante Erfahrungen und gute Kontakte

Die Open Knowledge Conference (OKCon) fand dieses Jahr in Genf statt. (Bild: Open Knowledge Foundation) Die Open Knowledge Conference (OKCon) fand dieses Jahr in Genf statt. (Bild: Open Knowledge Foundation) Bild vergrößern

Zahlreiche Firmen nutzten die Konferenz, um sich dem interessierten Fachpublikum zu präsentieren. Das kleine, sehr innovative Züricher Startup mingle.io hat dabei besondere Erwähnung verdient. Die beiden Gründer haben ein Open Source Tool entwickelt, das Rohdaten automatisch in den strukturierten Formaten XML oder CSV einliest. Über eine einfach gestaltete Schnittstelle können diese Daten dann beliebig kombiniert abgefragt werden. Auf dem Server der Firma werden zurzeit die freigegebenen Verwaltungsdaten der Stadt Zürich gespeichert. Diese stehen dann der Allgemeinheit zur Verfügung. 

Während der drei Konferenztage konnten Georg Felgitsch und seine zwei mitgereisten Studienkollegen interessante Erfahrungen machen. Spannende Eindrücke gaben Anstoß zu neuen Ideen. „Außerdem konnten wir Kontakte knüpfen, die uns in Zukunft sicher noch bei dem einen oder anderen Projekt nützlich sein werden“, so Felgitsch abschließend.