Über das BRZ

Die Bundesrechenzentrum GmbH ist der IT-Dienstleister und markt­führende E-Government-Partner der österreichischen Bundes­verwaltung.

11.04.2013 Verwaltungs-Informatik 2027

Verwaltungs-IT 2027 - Prozessorplatte

Das BRZ setzt immer wieder wissenschaftliche Projekte in Kooperation mit Universitäten und Forschungseinrichtungen um. Professor Peter Purgathofer von der TU Wien beleuchtet die Verwaltungs-IT aus seiner Sicht und wirft einen Blick in die Zukunft.

Zukünftige Spannungsverhältnisse für die Verwaltungs-IT

Seit Jahren erleben wir in der IT disruptive Entwicklungen. Wer hätte sich vor fünf Jahren gedacht, dass die mobilen Innovationen derart auf die Arbeitswelten durchschlagen werden. Wir erleben eine vollkommene Umwandlung, sogar sehr große marktbeherrschende Unternehmen, wie z.B. Microsoft, setzen auf mobile Betriebssysteme. Das ist technisch orientiert, spielt sich aber auch in der soziale Umwelt ab und erzeugt dort natürlich Veränderungskonflikte. Ich sehe aber keinen Grund zur Sorge, gerade in Konfliktsituationen ist der Antrieb zur Entwicklung von Neuem vorhanden.

Prof. Peter Purgathofer Prof. Peter Purgathofer, Institut für Gestaltungs- und Wirkungsforschung an der TU Wien

Ich sehe derzeit ein Spannungsfeld zwischen Politik, der Verwaltung und den BürgerInnen, das auch mit Unzufriedenheit gespickt ist. Verwaltung lässt sich so definieren, dass Tätigkeiten, die unwirtschaftlich durch jeden Einzelnen gemacht werden müssten, als Kollektivleistungen ausgelagert werden. Aber der derzeitige Trend geht zum Teil in die andere Richtung, die Gesellschaft holt sich Verantwortlichkeiten wieder zurück. Die Neuen Medien erleichtern diesen Trend. Zuerst dienten sie dazu, die Behörden über Handlungsbedarf aufmerksam zu machen – z.B. bei der App FixMyStreet –, in der Weiterentwicklung werden durch Mechanismen der Eigenorganisation die Tätigkeiten gleich selbst gemacht – z.B. Adoption von Hydranten durch Bürger/innen in US-Städten.

Ein weiteres Phänomen ist die hohe Verletzlichkeit der IT-Systeme, die Angriffsvektoren auf die IT sind vielfältiger denn je, das kann in der Zukunft große Probleme bringen. Als Beispiel kann hier der akute Mangel an glaubwürdigen elektronischen Identitäten in Verbindung mit der Kontrollierbarkeit der handelnden Person dienen. Konkret von Wichtigkeit ist hier die Entkoppelung des Dienstleisters, bei dem die ID eingesetzt wird, vom ID-Erzeuger, der die ID ausgibt. In Zukunft sollten einzelne Aspekte einer Identität dem Dienstleister übergeben werden können, die ausreichend sind für diesen speziellen Zweck und keine Rückkopplung auf weitere, in diesem Fall nicht notwendige Aspekte der Identität geben. Hier sehe ich einen neuen Verantwortungsbereich der Verwaltungs-IT, der derzeit noch nicht gelöst ist

Die Verwaltung wird sich in Zukunft mit den Herausforderungen neuer Räume auseinandersetzen müssen. Vielleicht füllt das sogar die nächsten 15 Jahre aus. Zu einer Überforderung der Gesellschaft wird es dabei kaum kommen, denn die AkteurInnen werden sich nur so viel holen, wie sie auch beherrschen können. Natürlich kann es da zu Problemen in der Transitionsphase kommen, aber das ist besser: Stagnation oder das Lernen neuer Prozesse? Ein wichtiger Satz dabei ist, die Veränderung von einer Ökonomie der begrenzten Ressourcen zu einer Ökonomie der unbegrenzten Ressourcen zu ermöglichen. Dafür werden explorative Ansätze wichtig sein, also die Suche nach neuen Gestaltungsformen, das ist auch eine spannende und lohnende Aufgabe für die zukünftige Verwaltung.