Über das BRZ

Die Bundesrechenzentrum GmbH ist der IT-Dienstleister und markt­führende E-Government-Partner der österreichischen Bundes­verwaltung.

08.01.2013 Mobilität - von der Innovation zur Selbstverständlichkeit? Ultramobilität, Touchscreens und „Bring your own Device“ revolutionieren die Welt der IT

Mann tippt am Tablet

Beim Thema Mobilität liegt der Fokus aktuell häufig auf zwei Arbeitsbereichen: Die Beschleunigung und Verbesserung der Geschäftsprozesse. 

Selten wird der Quantensprung bei der Miniaturisierung der Technologien und bei der Effizienz im Energieverbrauch hervorgehoben. Auch die Möglichkeit unterschiedliche Informationsquellen (GPS, Kamera etc.) zu verknüpfen und damit neue, innovative Lösungen zu schaffen, wird nur nachrangig thematisiert.

Geht es also nur um das Thema Wirtschaftlichkeit? Ist der Einsatz mobiler Technologien ein ganz normaler Wechsel einer Standardtechnologie? Das ist definitiv nicht der Fall! Es handelt sich bei der aktuellen Mobilitätstechnologie tatsächlich um eines der größten Innovationsthemen der letzten Jahrzehnte.

Ultramobilität: Smartphones und Tablets immer und überall

Erstmals werden Smartphones und Tablets wirklich mobil eingesetzt – immer und überall. Denn im Gegensatz dazu arbeitet kaum jemand mit dem Notebook in der U-Bahn oder geht unterwegs kurz online, wenn er eine Adresse sucht. Notebooks werden in der Regel „quasistationär" eingesetzt, oftmals werden sie wie ein normaler PC indoor wie zum Beispiel im Büro, beim Kunden, daheim oder am Flughafen verwendet. Für das Einsatzmuster der Smartphones und Tablets ist daher immer öfter auch der Begriff „ultramobil“ zu hören. Diese Ultramobilität ist durch geringe Größe und niedriges Gewicht der Geräte möglich. Ein weitere Vorteil gegenüber dem Notebook ist die kurze Startzeit ultramobiler Geräte, die zur effizienten Erledigung von Ad-hoc Tätigkeiten beiträgt. Anders als daheim oder am Flughafen, wo zumeist WLAN-Netzwerke zu Verfügung stehen, funktioniert Ultramobilität primär über Mobilfunknetze. Dabei muss beachtet werden, dass nicht immer und überall auf einwandfreie Netzwerkanbindungen zugegriffen werden kann. Darauf basiert auch im Wesentlichen die Geschäftsprozessbeschleunigung: Nur wo der Einsatz eines Smartphone oder Tablets praktikabler ist als der eines Notebooks, kann der postulierte Zeitgewinn lukriert werden.

Das Bundesrechenzentrum hat dafür zwei Hauptszenarien identifiziert. Einerseits den optimalen Einsatz der Spezialhardware (Kamera und GPS), der Nachbearbeitungen verkürzt oder erübrigt, zum Beispiel zu automatischen Ergänzung der Daten mit Bild-, Standort- und anderen mit Sensoren erfassten Informationen. Andererseits alle Tätigkeiten, bei denen eine Person durch den Technologieeinsatz eigenständig ohne zweite Person Aufgaben wahrnehmen kann. Dazu zählen unter andere Kontrolltätigkeiten, bei denen „drei Hände“ nötig sind (zwei davon zum Bedienen des Notebooks).

Touchscreen und mobile Apps

Mit der Berührungseingabe am Bildschirm (Touchscreens hat sich eine neue Bedienungsoberfläche als Quasistandard für mobile Geräte etabliert. Das fordert eine umfangreiche Änderung bei der Gestaltung der Benutzerführung. Mobile Applikationen ähneln modernen Webseite mit gutem Design, gehen aber in den Möglichkeiten der intuitiven Interaktion, etwa durch die Steuerung mittels so genannter Gesten, noch wesentlich weiter.

Touchscreens und nicht immer perfekte Netzwerkverbindung waren die Geburtshelfer eines vollkommen neuen Programmstils - der mobilen Applikation, besser unter dem Begriff App bekannt. Apps sind hochstandardisiert hinsichtlich vieler Eigenschaften. Dazu zählen die optimiert Benutzerführung durch freiwillige Beschränkung auf einen überschaubaren Funktionsumfang sowie einfach verständliche, teilweise von den Herstellern vorgegebene, Bedienelemente, die Energieeffizienz (kein Weiterlaufen im Hintergrund), der Vertrieb über App Stores und vieles mehr.

Das Bundesrechenzentrum hat hausinterne Entwicklungsstandards für mobile Apps festgelegt und Mitarbeiter/innen für die Entwicklung mobiler Apps und mobiler Webseiten ausgebildet. Neben der Beherrschung der relevanten Technologien und Werkzeuge wurde ein Schwerpunkt darauf gelegt, ein grundlegendes Verständnis zu schaffen, wo mobile Apps Sinn machen und wo nicht. Die Mobility-Experten des Bundesrechenzentrums können so die Kunden auch bei der Prozessanalyse und bei Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen unterstützen.

Bring Your Own Device

Tablets und Smartphones werden für den Consumer-Markt entwickelt und sind auch dort erfolgreich. Damit ist zum ersten Mal in der Geschichte der IT eine Geräteklasse dem Benutzer schon vom privaten Einsatz bekannt, bevor sie am Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Dieser Effekt ist bei der Bewertung der Bedeutung von Mobilität ebenso wichtig wie die Ortsunabhängigkeit – im typischen Arbeitsumfeld der öffentlichen Verwaltung vielleicht sogar wichtiger. Dieses auch „Consumerisation“ genannte Phänomen hat zahlreiche Auswirkungen: Für den Arbeitgeber positiv ist die Tatsache, dass die Schulungskosten sinken. Gleichzeitig besteht aber die Gefahr, dass Benutzer unzufrieden sind, weil sie privat bessere Geräte besitzen, als sie vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt bekommen. Die Benutzer sind in der Lage sich eine kompetente Meinung zu den Dienstgeräten zu bilden. Sind sie mit diesen nicht zufrieden, benützen sie andere, teilweise private, Geräte. Diese individuelle Entscheidung führt häufig zu Spannungen, wenn sie mit den am Arbeitsplatz gültigen IT-Richtlinien nicht in Einklang zu bringen ist.

Der berechtigte Widerstand der IT-Abteilung gegen diese Praxis des ungeregelten „Bring Your Own Device“ (BYOD) kann aber erfahrungsgemäß in vielen Unternehmen langfristig nicht aufrecht erhalten werden. Immer mehr Organisationen erlauben daher die Verwendung von Privatgeräten unter gewissen Bedingungen. Richtlinien für BYOD müssen dabei den richtigen Mix aus Erfüllung der Sicherheitsanforderungen und Bedürfnissen der Besitzer finden. Sie ergänzen die Dienstgeräte, die in einem Werkzeug für „Mobiles Device Management“ restriktiv verwaltet werden. Ein guter, vom Bundesrechenzentrum verfolgter Ansatz für die Umsetzung solcher Richtlinien sind spezielle Container-Apps, die eine saubere Trennung zwischen Firmen- und Privatdaten erlauben. Im verschlüsselten Container laufen Firmenanwendungen wie zum Beispiel Mail und Kalender sicher, alles andere wird durch den Besitzer verwaltet. Das Bundesrechenzentrum leistet Unterstützung bei der Erstellung derartiger Richtlinien.

Die Zukunft ist mobil

Wir haben die Vielschichtigkeit von Mobilität im E-Government erkannt und in den letzten Jahren umfangreiches Wissen bei der Entwicklung und dem Betrieb von mobilen Lösungen aufgebaut. Die Sicherstellung von höchstem Sicherheitsniveau auch im Bereich Mobilität ist dabei ein strategisches Ziel. Dafür wurde eine Kooperation mit dem Zentrum für sichere Informationstechnologie – Austria (A-SIT) eingegangen. Beratungsleistungen wie Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen und die Analyse von Geschäftsprozessen zur Kosten/Nutzen-Gegenüberstellung ergänzen das Serviceangebot.

Werden mobile Technologien einen Innovationsschub in der öffentlichen Verwaltung bewirken? Das hängt wesentlich von den Entscheidern ab, ob sie bereit sind, den bewährten Weg zu verlassen und sich auf neue, innovative Lösungsansätze einzulassen. Klar ist, dass in wenigen Jahren Mobilität schlicht und einfach alltäglich und selbstverständlich sein wird.