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Die Bundesrechenzentrum GmbH ist der IT-Dienstleister und markt­führende E-Government-Partner der österreichischen Bundes­verwaltung.

22.12.2016 Justiz 3.0: Eine kleine Revolution

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Die österreichische Justiz nutzt die Chancen der Digitalisierung. Der Arbeitsalltag an den heimischen Gerichten hat sich dadurch maßgeblich geändert.

Dr. Patricia Wolf ist Richterin und Vizepräsidentin des Arbeits- und Sozialgerichts Wien. Startet sie in der Früh ihren Tablet-PC, befindet sie sich am "integrierten Justizarbeitsplatz". Dieser vereint neue Web-Anwendungen wie ein elektronisches Aktensystem mit bewährten IT-Lösungen. Alles, was sie für ihren Arbeitsalltag braucht, ist mit wenigen Klicks verfügbar. "Zwei große Touch-Bildschirme ermöglichen es mir, vernetzter als bisher zu arbeiten“, so die Richterin. "Einen Monitor kann ich für die Navigation im elektronischen Integrationsportal nutzen, den anderen für das Aktenstudium." Mit dem Tablet ist Patricia Wolf mobil – die elektronischen Akten sind jederzeit und ortsunabhängig abrufbar: "Ich kann Wartezeiten – egal, wo – optimal nutzen oder auch zu Hause arbeiten. Im Verhandlungssaal kann ich rasch auf Akteninhalte zugreifen oder schnell ein Zitat überprüfen."

Justiz 3.0 für mehr Effizienz

All das macht Justiz 3.0 möglich. Die Arbeitsweise und Abläufe an den Gerichten und Staatsanwaltschaften werden durch diese Initiative neu gestaltet. Die Grundüberlegung war: Wie will die Justiz im Jahr 2020 arbeiten? "Im Vorfeld des IT-Programms wurden die Bedürfnisse der Justiz-Mitarbeiter/innen erhoben. Die praktischen Vorschläge und Ideen wurden bei der Konzeptionierung berücksichtigt", erklärt Richard Schmid, BRZ-Abteilungsleiter für Justizanwendungen. "Den Pilotbetrieb des integrierten Justizarbeitsplatzes haben wir Ende September am Arbeits- und Sozialgericht Wien erfolgreich gestartet – danach folgten die Landesgerichte in Ried und Feldkirch und noch im Dezember kommt das Landesgericht Klagenfurt dazu."

Change als Chance

Nach der Umsetzung durch das BRZ gemeinsam mit dem Bundesministerium für Justiz werden rund 9.000 Arbeitsplätze zu "integrierten Justizarbeitsplätzen" aufgerüstet und etwa 700 Verhandlungssäle technisch zukunftsfit sein. "Das ist eine der weitgreifendsten Veränderungen der Justiz der letzten 100 Jahre", betont Dr. Martin Schneider, Leiter der Rechtsinformatikabteilung des Justizministeriums. "Aufbauend auf dem neuen digitalen Akt werden viele Arbeitsschritte rascher und effizienter. Manches wird überhaupt erst durch neue Technologien möglich. Somit wird die IT für uns immer wichtiger. Am Ende des Programms könnte man auch sagen: alles E-Justiz. Das ist eine kleine Revolution."