Brief und Siegel ins Netz bringen

12.08.2010

Einige der großen IT-Projekte in Deutschland scheinen momentan in der öffentlichen Wahrnehmung von der Bildfläche verschwunden zu sein. In Sommerpause durchaus nicht ungewöhnlich. Hingegen wurde in den vergangenen Wochen eine breit angelegte Debatte über die Verlässlichkeit und den Komfort sicherer elektronischer Kommunikation geführt.

Maßgeblicher Auslöser dieser Debatte war zum einen der Start des E-Postbriefs der Deutschen Post, begleitet durch eine große Marketing-Offensive des Platzhirsches der klassischen Briefbeförderung. Zum anderen lag der Entwurf des De-Mail-Gesetzes bis Ende vergangener Woche den Verbänden zur Bewertung vor. Insbesondere einige Interessensvertretungen der Juristen, wie Bundesrechtanwaltskammer und Deutscher Anwaltsverein traten mit deutlicher Kritik an der Sicherheit des De-Mail-Systems an die Öffentlichkeit und lösten beim Bundesinnenministerium und den bislang zertifizierten Betreibern (GMX, Mentana, Web.de, T-Home und T-Systems), sekundiert vom Branchenverband BITKOM, entsprechende Gegenreaktionen aus.

Doch auch die Deutsche Post blieb nicht frei von Kritik. Der Bonner Weltkonzern tat sich schwer, die Früchte seiner guten Öffentlichkeitsarbeit zügig einzusammeln. Grund dafür ist das Zusammentreffen einer großen Zahl von Registrierung (innerhalb weniger Tage verzeichnete die Deutsche Post 250.000 Anmeldungen) mit einem sicheren, aber umständlichen Anmeldeverfahren, welches neben einer per SMS verschickten TAN und einem per Brief versandten Registrierungscode auch den persönlichen Gang des Kunden zum Schalter vorsieht, wo dieser im Post-Ident-Verfahren seine Identität bestätigt. Da man bei der Deutschen Post nach eigenen Angaben mit einem derartigen Ansturm auf den E-Postbrief nicht gerecht hatte, verzögerte sich die ursprünglich auf wenige Werktage angesetzte Zustellung des Registrierungscodes in manchen Fällen deutlich.
Die gesamten Diskussionen haben eines ganz klar gezeigt: Es gibt ein hohes Interesse an sicherer elektronischer Kommunikation (United Internet (GMX, Web.de) und Deutsche Telekom verzeichnen aktuell zusammen fast eine halbe Million De-Mail-Voranmeldungen) und es gibt sicherlich in der Breite auch noch einigen Informationsbedarf.

Quelle: www.behoerden-spiegel.de am 12.08.2010