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Governmental Social Media

Über Social Media wird derzeit viel geschrieben. In wirtschaftlich orientierten Artikeln werden die Chancen und in gesellschaftlichen Artikeln die Risiken beschrieben.

Dabei ist über das Thema viel mehr zu berichten, beispielsweise auch aus dem öffentlichen Sektor. Kaum eine andere Berufsgruppe beinhaltet so viele verschiedene Kompetenzbereiche.
Der öffentliche Sektor sollte daher geradezu prädestiniert für den Einsatz sozialer Medien sein. Auch das BRZ hat sich entschieden, diese einzuführen und den Wissenspool des Unternehmens durch Social Media im Arbeitsalltag zu erweitern. Da oft, wie oben beschrieben, ähnliche Fragestellungen im Raum stehen, drängen sich spezialisierte soziale Netzwerke für und um den öffentlichen Sektor geradezu auf. Gibt es diese? Ja es gibt sie! Zwei bekannte Beispiele sind die europäische Plattform „ePractice.eu“ und „GovLoop“ aus den USA!

ePractice.eu
Die Plattform entsprang einer EU-Strategie zur Bündelung aller Kräfte in den Bereichen E-Government, E-Inclusion und E-Health und ist bereits seit 2007 operativ. Sie wird gemeinsam
vom Generaldirektorat „Informatik“ (DG DIGIT) und dem Generaldirektorat für Informationsgesellschaft (DG INFSO) betrieben. Ursprünglich stellte ePractice.eu eine Plattform dar, die sich auf die Publikation von Good- and Best-Practices fokussierte, entwickelte sich aber früh zu einem bedeutenden Netzwerk-Portal. Derzeit zählt ePractice.eu nach eigenen publizierten Angaben mehr als 136.000 Mitglieder und über 1.500 „Cases“ aus 35 Ländern wurden bereits publiziert. Im Eigenbild sieht sich die Plattform als Brückenfunktion zwischen dislozierten Expertengruppen mit dem Ziel des „… capacity building through proactive dissemination, exchange and assessment of good practice …“. Zusätzlich zu den Community-Services wird versucht, durch Offline-Aktivitäten, wie Workshops mit Partnern, die  akkumulierten Informationen zu verbreiten und zu vertiefen.

GovLoop.com
GovLoop wurde in der Aufbruchsstimmung von Barack Obamas Internetinitiative zu Open Government gegründet. Die Plattform orientiert sich daran, eine Community von öffentlichen Bediensteten in den USA über alle Verwaltungsebenen zu bilden. Die Mission lautet, durch die Vernetzung von Personen die Qualität der Verwaltungsarbeit zu verbessern und die Kräfte zu bündeln, um öffentliche Projekte zum Erfolg zu führen. Und da der amerikanische „Markt“ immer mehr als „mobil“ eingestuft werden kann, ist auch eine Karriereplattform angeschlossen. Derzeit sind 45.000 Mitglieder registriert. Im Gegensatz zu ePractice.eu, das durch die EU finanziell gefördert wird, finanziert sich GovLoop durch Partnerschaften mit der Wirtschaft. Eine Mitgliedschaft bei GovLoop zahlt sich auch für Europäer aus, denn viele der Innovationen sind über das Portal umfassend greifbar. Die Plattform verbindet aber nicht nur Personen und Institutionen, sie bringt sich auch selbst ein und publiziert eigene Artikel.

Ansätze für „Governmental“ Communities in Österreich
Der Einsatz von Social-Media-Technologien zur Vernetzung von VerwaltungsmitarbeiterInnen in Österreich ist noch rar. Es sollte zuerst abgeklärt werden, ob ein Potential für eigene Social Communities für die österreichische Verwaltung sichtbar ist. Wir richteten diese Frage an Mag. Johann Höchtl, wiss. Mitarbeiter am Zentrum für E-Governance der Donau-Universität Krems: „Soziale Medien sind schon seit langem fixer Bestandteil von Innovations- und Kooperationsmodellen der Wirtschaft. Die Verwaltung beobachtet seit einiger Zeit diese Entwicklung. In Projekten wie „mitmachen.at“ und „jugend2help.gv.at“ wurden erste Gehversuche im partizipativen Bereich unternommen. Eines wurde aber deutlich: Der Schlüssel zum Erfolg liegt im Aufbau von Vertrauen und Kommunikation auf Augenhöhe, was maßgeblich durch einen ausgeglichenen Informationsstand gefördert wird.“

Konkrete Strategien für Social Media für die Verwaltung sind auch bei Kommunalnet.at sichtbar. Das Portal, als Informations-und Serviceplattform für die öffentlichen Gemeindebediensteten ins Leben gerufen, möchte eine Online-Community etablieren. Zur Strategie bei Kommunalnet.at berichtete uns Geschäftsführer Mag. Lucas Sobotka: „Wir befinden uns gerade in einer Relaunch-Phase. Im Frühjahr 2012 wird Kommunalnet.at zahlreiche neue Funktionen aufweisen, die in vier Bereiche unterteilt sein werden. Wir überarbeiten den News- und Informationsteil, dann wird es einen eigenen Kanal mit Anwendungen über Portal-Verbund geben, zudem einen kommunalen „Marktplatz. Im vierten Bereich, als zentrales Element, wird eine Social Community abgebildet.“

Social Media bei den großen Publikumsportalen
Obwohl die Zielgruppe nicht primär die VerwaltungsmitarbeiterInnen sind, haben wir, um einen Überblick zu geben, bei den Betreibern der drei großen Publikumsplattformen HELP.gv.at, Gesundheit.gv.at und Unternehmensserviceportal.gv.at zu ihren Strategien im Bereich Social Media nachgefragt.

HELP.gv.at, Mag. Harald Müller (BKA):
„HELP.gv.at als zentrales Portal für Bürgerinnen und Bürger setzt auf Social Networks wie Facebook und Twitter, um einerseits User auf diesen zusätzlichen Kommunikationskanälen zu informieren, und andererseits, um diese gezielt auf die Inhalte von HELP zu führen. Die Inhalte, die HELP über die sozialen Netzwerke postet und twittert, betreffen vor allem gesetzliche Neuerungen, die für Bürgerinnen und Bürger interessant sind, weiters wird auf spezielle Dinge von HELP-Inhalten gezielt unter dem Titel „Wußten Sie, dass“ hingewiesen, wobei eine Frequenz von einem Posting respektive einem Tweet pro Tag angepeilt wird.“

Gesundheit.gv.at, SC Dr. Clemens Martin Auer (BMG):
„Gesundheitsdaten sind personenbezogene Daten. Zuerst müssten die Sicherheitsstandards von Social Media gleich hoch sein und dadurch den Umgang mit personenbezogenen Daten ermöglichen. Das ist heute nicht der Fall, daher ist das ausgeschlossen. Natürlich können Selbsthilfegruppen den Austausch von unkritischen Daten vollziehen, sofern eben keine kritischen personenbezogenen Daten vorkommen. Das Government hat die Verpflichtung, Daten zu schützen, das ist ein Menschenrecht. Die „Mensch zu Mensch“-Kommunikation im Bereich des Meinungsaustausches ist da unbeeinflusst, hier könnte sich Social Media etablieren.“

Unternehmensserviceportal.gv.at, Mag. Clemens Mungenast (BMF):
„Das Unternehmensserviceportal (USP) ist der zentrale Zugang für Unternehmerinnen und Unternehmer zur Verwaltung. Nach dem Vollbetrieb im Frühling 2012 wird auch das Thema Social Media in die Planung für das USP aufgenommen, um zusätzliche Kommunikationsschienen zu öffnen. Die Überlegungen gehen dabei, neben der Nutzung von Facebook und Twitter, auch in Richtung Webinars und andere interaktive Austauschformen.“